FeedLehrerseminar
BaukunstBrockhaus 1882

Lehrerseminar, eine höhere Töchterschule, eine Landwirtschaftsschule und eine Taubstummenanstalt. Ein Denkmal Friedrichs d. Gr. wurde 9. Okt. 1877 enthüllt. M. hat Fabriken für Maschinen, Thonwaren und Watte und treibt lebhaften Handel mit Holz, Getreide, Federn und Borsten; die Woll⸗ und Pferdemärkte sind stark besucht. Die Zierde M.s ist das alte Schloß der Hochmeister des Deutschen Ordens. M. war ursprünglich eine einfache Feste, die 1274 von dem Orden zur Sicherung der Nogatstraße angelegt wurde. Als der Hochmeister Siegfried von Feuchtwangen seine Residenz nach M. zu verlegen beschloß, ließ er 1306—9 eine würdige Residenz aufführen, das sog. Mittelschloß, welches nur durch einen Wallgraben von der alten Feste, dem sog. Hochschloß, getrennt ist. Später wurde die Vorburg beigefügt und so das Ganze in eine sehr starke Festung umgewandelt. Verdienste um die innere Ausschmückung erwarb sich besonders der Hochmeister Dietrich von Altenburg (1335 —41), der den schönen Konventsremter erbaute, die Schloßkirche erweiterte und unter dem Chore derselben die Hochmeistergruft anlegte. Unter Winrich von Kniprode (1351—82) erreichte die Burg ihre höchste Vollendung. Nach der Schlacht bei Tannenberg 1410 hielt sich M. gegen die Belagerung durch die poln.⸗ litauische Üübermacht unter der Leitung des heldenmütigen Heinrich von Plauen, aber 6. Juni 1457 nahmen die Polen es ein. Infolge des Thorner Friedens (1466) blieb M. bei Polen. Seitdem war das Schloß Wohnsitz der poln. Wojwoden. Nachdem M. 1772 in den Besitz Preußens gelangt war, wurde das Schloß als Magazin benutzt. Nach den Befreiungskriegen beschloß man die Wiederherstellung des Schlosses, die 1817 —42 unter Leitung des Architekten Costenoble rüstig durchgeführt wurde. Vgl. Voigt, Geschichte von M.» (Königsb. 1824); Auer, «Kriegsgeschichtliche Denkwürdigkeiten von M.» (Danz. 1824); Eichendorff, «Die Wiederherstellung des Schlosses zu M. » (Berl. 1844); Witt, „M., das Haupthaus des Deutschen Ordens » (Königsb. 1854); Bergau, Das Ordenshaupthaus M. (Berl. 1871). Der Kreis Marienburg zählt (1880) auf 812 akm 59819 meist evang. C.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 455Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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