Moritzburg, königl. sächs. Jagdschloß, 11,3 km nordwestlich von Dresden entfernt an der Sekundärbahn von Radebeul (an der Linie Leipzig-Dresden) nach Radeburg, wurde von Kurfürst Moritz 1543 auf einer felsigen Anhöhe im Friedewalde zu bauen angefangen und unter der Regierung Christians J. 1589 wvollendet. Unter Fohann Georg II. wurde 1661—65 am westl. Teile des Schlosses eine Kapelle mit Turm angebaut und um 1720 unter August den Starken das Schloß umgebaut und mit einer Terrasse umgeben. Das Schloß hat vier große Säle und gegen 200 Zimmer. Durchgehends wurden diese Räume mit Ledertapete (gepreßtes Leder mit Gold⸗ und Silberverzierung) versehen, von der sich jetzt noch etwa 2400 qm vorfinden. Drei Säle sind mit Geweihen dekoriert, in einem Saale sind 71 Hirschgeweihe von 24 bis 50 Enden, in einem zweiten 43 starke monströse Geweihe, darunter ein 66-Ender, und in einem dritten sehr starke Elen⸗‚ Renntier⸗ und Rehgeweihe, darunter ein Vorweltliches. Der Schloßrayon, durch eine Wallmauer von den Teichen abgegrenzt, ist mit Kastanien und Fichten, die Fahrbahn um die Teiche beiderseitig mit Kastanienbäumen bepflanzt. Nördlich vom Schloß befindet sich der in altfranz. Stil angelegte Hofgarten, östlich vom Schloß das Neue oder Fasanerie-Schlößchen, 1769 erbaut. Die hierbei angelegte Fasanerie züchtet Gold⸗ und Silberfasanen. Auch befinden sich hier die Oberforstmeistereigebäude. Daran grenzt der große Tiergarten, in welchem Rot⸗, Dam⸗ und Schwarzwild gehegt wird. Königliche Jagden finden im Tiergarten mit anstoßenden Waldungen jährlich sechs statt. Ein Landgestüt ist in dem Jägerhofgebäude untergebracht und eine Blindenanstalt seit 1877 in den frühern Gerichtsamtsgebäuden (Gericht 1872 eingezogen) eingerichtet worden. Vgl. Becher, 4Geschichte und Beschreibung von M.» (Dresd. 1866).