Marlborough (John Churchill, Herzog von), einer der größten brit. Feldherren und Staatsmänner, geb. 5. Juli 1650 zu Ash in der Grafschaft Devonshire, kam nach der Restauration als Page in die Dienste des Herzogs von Nork, der ihn im Alter von 16 J. zum Gardefähnrich ernannte. Er wohnte der Entsetzung von Tanger und mehrern Gefechten gegen die Mauren bei und stieg nach der Rückkehr zum Hauptmann in einem Regiment, das zur Verstärkung der Franzosen nach den Niederlanden ging. Im Feldzug von 1672 erhielt M. den Grad eines Oberstlieutenants, blieb bis 1677 beim franz. Heer, kehrte dann nach England zurück und heiratete 1678 die schöne Sarah Jennings, die Vertraute der spätern Königin Anna. Dieser Umstand und die Gunst des Herzogs von York, dessen Geliebte Churchills Schwester Arabella (. Berwich) war, versprachen ihm eine glänzende Zukunft. Nachdem sein Gönner als Jakob 1I. den Thron bestiegen, wurde M. General und Baron von Sandridge. Wiewohl er sich bei der Unterdrückung der Empörung des Herzogs von Monmouth (s. d.) besonders thätig zeigte,‚ mißbilligte er doch die Reaktionspläne des Hofs und trat in Verbindung mit dem Prinzen von Oranien. Als dieser landete, führte M. das ihm von Jakob anvertraute Truppenkorps dem Prinzen zu. Wilhelm III. erhob ihn zum Grafen von M. und übertrug ihm im Kriege gegen Frankreich ein. Kommando in den Niederlanden. In dieser Stellung begründete er 1690 und 1691 seinen Feldherrnruhm, besonders durch den Sieg bei Walcourt. Weil er sich jedoch in die Umtriebe der Jakobiten eingelassen, kam er bei der Rückkehr nach England eine Zeit lang in Haft. Er lebte bis 1698 in völliger Zurückgezogenheit, wurde dann vom König wieder in Gnaden aufgenommen und mit der Erziehung des Thronerben, Herzogs von Gloucester, betraut. Im J. 1701 wurde er Gesandter im Haag. Der Tod Wilhelms und die Thronbesteigung Annas im März 1702 eröffneten M. einen schrankenlosen Einfluß. Während seine Gemahlin die Königin beherrschte, leitete er ganz den Minister Godolphin, dessen Sohn seine Tochter geheiratet hatte. Er begann als Oberbefehlshaber der verbündeten Truppen den Feldzug von 1702 mit Vertreibung der Franzosen aus dem span. Geldern und eroberte Venloo, Roermonde und Lüttich. Nachdem ihn die Königin 13. Dez. zum Herzog erhoben, ging er 1703 zur Unterstützung des Kaisers nach Deutschland, verband sich mit dem Bapern Eugen von Savoyen und schlug zuerst die Bayern 2. Juli 1704 am Schellenberge bei Donauwörth, dann 13. Aug. die Franzosen unter Tallard bei Blenheim. Deutschland und die Niederlande betrachteten ihn als ihren Erretter. Das Parlament schenkte ihm die Domäne Woodstock, und die Königin ließ ihm das Schloß Blenheim bauen. Das J. 1705 brachte M. mit diplomatischen Verhandlungen in Berlin und Hannover zu. Er gewann den König von Preußen, feuerte die Holländer an und eröffnete dann in den Niederlanden den Feldzug von 1706. Nachdem er Villeroi 23. Mai bei Ramillies geschlagen, reinigte er Brabant vom Feinde, nahm Ostende, Menin, Dendermonde und Ath und bestimmte im Frühjahr 1707 persönlich den König Karl XII. von Schweden, sich ruhig zu verhalten. Nach kurzem Aufenthalt in England setzte er mit Prinz Eugen den Krieg gegen die Franzosen fort und besiegte Villars 11. Sept. 1709 in der blutigen Schlacht bei Malplaquet. Während er aber im Laufe des J. 1710 einen Platz nach dem andern eroberte, wurde in England sein Sturz vorbereitet. Die Königin schüttelte das ihr längst unerträgliche Joch der Herzogin von M. ab, worauf die Tories ans Ruder kamen. Wiewohl M. sein Kommando behielt, so schränkte man doch seine Macht ein. Nach der Eroberung von Bouchain kehrte er im Mai 1711 nach London zurück, um sowohl den Krieg wie seine Gewalt aufrecht zu erhalten. Allein er konnte den Abschluß des Präliminarfriedens mit Frankreich (8. Okt.) nicht verhindern, und das neue Unterhaus klagte ihn der Unterschlagung öffentlicher Gelder an, welcher An—⸗ klage das Oberhaus beitrat. Die Königin entsetzte ihn hierauf 1. Jan. 1712 seiner Amter, unterdrückte aber die gerichtliche Verfolgung. Hierauf verließ M. erbittert sein Vaterland und besuchte Holland, Deutschland und sein ihm vom Kaiser geschenktes Fürstentum Mindelheim, das er jedoch im Frieden ohne Entschädigung wieder verlor. Mit dem Tode der Königin Anna kehrte er nach England zurück, wo ihn Georg I., der durch seine Partei eigentlich die Krone erhalten hatte, mit Auszeichnung empfing und in die Stelle eines Generalissimus wieder einsetzte, aber trotzdem von den Geschäften fern hielt. Am 8. Juni 1716 vom Schlage getroffen, verlor M. fast ganz seine Geisteskräfte und starb in diesem Zustande 17. Juni 1722. Er erlitt als Feldherr nie eine ernstliche Niederlage; als Diplomat siegte er durch glänzende Redegabe. Vgl. Coxe, Memoir of John, duke of M., with his original correspondence „ (3. Aufl., 3 Bde., Lond. 1847; deutsch, 6 Bde., Wien 1820); Murray, «Letters and despatches of the duke of M.o (5 Bde., Lond. 1845—46); Macfarlane, Life of M.y (Lond. 1852); Alison, The military life of the Duke of M.v (Lond.; deutsch Frankf. a. M. 1848). Seine Gemahlin, Sarah Jennings, Herzogin von M., geb. 29. Mai 1660, kam im Alter von 12 J. in die Dienste der Herzogin von York, wurde Freundin der Prinzessin Anna und heiratete 1678 den nachmaligen Herzog von M. Bei der Vermählung der Prinzessin Anna 1683 wurde sie zur Ehrendame, und bei deren Thronbesteigung zur ersten Ehrendame und Großmeisterin der Garderobe erhoben. Ihre Macht war jetzt schrankenlos. Ihre enge Verbindung mit den Whigs und die an Tyrannei grenzende Herrschaft, welche sie über Anna zu behaupten suchte, machten sie allmählich der zu den Tories neigenden Königin unerträglich. Zudem entzog ihr das Herz der Fürstin die Lady Masham, ihre Cousine, die sie selbst an den Hof gebracht hatte. Sie sah sich daher genötigt, im Jan. 1711 ihre Hofämter niederzulegen. Die Beauptung Voltaires, daß ein Paar Handschuhe und ein Glas Wasser den Sturz der Favoritin bewirkt hätten, ist eine übertreibung; das Lustspiel Scribes Le verre d'eauo fußt auf dieser Anschauung. Die Herzogin begleitete ihren Gemahl 1713 auf das Festland und lebte nach seinem Tode in Zurückgezogenheit. Sie starb erst 29. Okt. 1744 und hinterließ ein Vermögen von 3 Mill. Pfd. St. gl. «Histoire secrète de la reine Zarah etc.„ laus dem Englischen übersetzt, 2 Bde., Haag 1708 —12) und «Letters of Sarah, duchess of M. v (Lond. 1875). Außer einem Sohne, der jung starb, gebar sie ihrem Gemahl vier Töchter. Die älteste, Henriette, Gemahlin des Grafen Godolphin, folgte ihrem Vater als Herzogin von M., starb aber 24. Okt. 1733, worauf der Titel und ein Teil der Güter an den Sohn ihrer Schwester Anna, Charles Spencer, Grafen von Sunderland, übergingen. Dieser zeichnete sich gleichfalls als Krieger aus, führte eine Gardebrigade in der Schlacht von Dettingen und wurde 1758 zum Befehlshaber der brit. Hilfstruppen bei der Armee des Prinzen Ferdinand von Braunschweig ernannt. Er starb zu Münster 28. Okt. 1758. Sein Enkel, George Spencer, fünfter Herzog von M., geb. 6. März 1766, nannte sich seit 1807 auch Churchill und starb 5. März 1840. Dessen Enkel John Winston Spencer-Churchill, der siebente Herzog von M., geb. 2. Juni 1822, zeichnete sich als Parlamentsmitglied durch seinen Eifer für die Interessen der Hochkirche aus, zu deren Gunsten er 1856 eine nach ihm genannte Bill durchsetzte. Im J. 1866 erhielt er die Hofcharge eines Lord-Steward, 1867 das Präsidium des Geheimen Rats und wurde 1876 von Disraeli zum Vizekönig von Irland ernannt. Diesen Posten behauptete er bis zum Sturz des Ministeriums Beaconsfield im April 1880. Er starb 5. Juli 1883. Ihm folgte als achter Herzog von M. sein Sohn George Charles Spencer-Churchill, geb. 14. Mai 1844. Derselbe heiratete 1869 Lady Alberta Hamilton, Tochter des Herzogs von Abercorn, wurde indes 1883 wegen Ehebruchs von dieser geschieden und hat sich überhaupt durch seine Extravaganzen einen Namen gemacht, welche 1884 den notgedrungenen Verkauf der Familienjuwelen und der berühmten Bildergalerie des Blenheim-Palastes herbeiführten. — Sein Bruder, Lord Randolph Churchill, geb. 13. Febr. 1840, studierte in Oxford, wurde 1874 ins Unterhaus gewählt, trat während des Ministeriums Gladstone als leidenschaftlicher toryistischer Parteigänger hervor, begründete die sog.Vierte Parteiv (s. Fourth Party) und entwickelte seitdem immer unverhohlener die Doktrinen der toryistischen Demokratie. Marle, Stadt im franz. Depart. Aisne, Arrondissement Laon, an der Serre, Station der Linie Laon-Anor der Nordbahn, zählt (1871) 2357 E., welche Ackerbau, Gerberei und Leinweberei treiben.