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ReligionBrockhaus 1882

Maroniten, eine christl. Sekte Syriens, sind die Nachkommen monotheletischer Flüchtlinge, welche, nachdem ihr Glaube im J. 680 verdammt worden war (s. Monotheleten), während der unter dem Kaiser Anastasius II. (713 bis 716) gegen sie hereinbrechenden Verfolgungen in den Wildnissen des nördl. Libanon in der Nähe des seit dem 6. Jahrh. daselbst bestehenden Klosters des heil. Maro Schutz suchten. Dieselben wählten sich den Mönch Johannes Maro zum Oberhaupt mit dem Titel Patriarch von Antiochien und wußten als ein streitbarer Volksstamm auch unter der Herrschaft des Islam sich eine gewisse polit. und kirchliche Selbständigkeit zu bewahren. Die M. bilden im nördl. Libanon (s. d.) in den Provinzen Kesrowan und Bscherre eine kompakte Bevölkerung, sind aber auch im mittlern Gebirge in den sog. Gemischten Distrikten und in den Küstenstädten zählreich. Man schätzt sie auf 120—130000 Seelen. Die M. sind arabisierte Syrier; die syr. Sprache hat sich nur in ihrer Kirchenliturgie erhalten. Sie sind nüchtern und betriebsam; ihr Hauptproduktionsartikel ist rohe Seide. Nachdem die M. mehrmals, und zwar zuletzt 1860 im Kriege mit dem wenig zahlreichen, aber festgegliederten Nachbarvolke der Drusen (s. d.) furchtbare Verluste erfahren, sind sie 1861 dem auf den Trümmern der Stammesverfassungen errichteten christl. Paschalik des Libanon einverleibt worden. Wiewohl sich die M. bereits 1182, dann wieder 1445 dem Papst unterwarfen, 1736 die Beschlüsse der Tridentiner Kirchenversammlung annahmen und sehr große Anhänglichkeit an den röm. Stuhl, sowie unbedingten Gehorsam gegen ihre Priester bewiesen, halten sie doch an ihren eigenen Kircheneinrichtungen und gewissen separatistischen Gebräuchen fest. Sie folgen dem abendländ. Kalender, beobachten dieselben Fastengesetze, wie die kath. Kirche in Europa, und feiern jetzt das Sakrament des Abendmahls auf dieselbe Weise, verehren indessen einige ihnen eigentümliche Heilige, namentlich den sonst nicht anerkannten Mär Märön. Die Weltgeistlichen haben die Befugnis, sich zu verheiraten. Ihr Oberhaupt nennt sich noch jetzt Patriarch von Antiochien, wohnt aber in dem Kloster Kanöbin auf dem Libanon und legt dem Papst alle zehn Jahre Rechenschaft von dem Zustande der maronitischen Kirche ab. Zahlreich sind im Libanon die maronitischen Mönchs- und Nonnenklöster, die der angeblichen Regel des heil. Antonius folgen. Zur Bildung der Geistlichen besteht seit 1584 ein maronitisches Kollegium zu Rom; auch hat der Patriarch zu Ain-Warkah in Kesrowan für dieselben eine Schule errichtet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 477Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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