FeedMausöhrlein oder Rewinzchen
GeschichteBrockhaus 1882

Mausöhrlein oder Rewinzchen, s. Rapünzchen. Mausoléum (grch. Mavoosn)erov) hieß ursprünglich das Grabmal, welches dem Könige Mausolus (grch. Maussollos) von Karien (gest. 353 oder 351 v. Chr.) dessen Gemahlin Artemisia zu Halikarnassos (s. d.) errichten ließ. Dasselbe, erst nach dem Tode der Königin vollendet und seiner Pracht wegen unter die Sieben Wunderwerke der Welt gerechnet, hatte eine Höhe von fast 45 m. Auf einem massiven viereckigen Unterbau von über 130 meim Umfange erhob sich ein tempelartiger, von 36 ion. Säulen umgebener Bau, das Dach desselben bildete eine Pyramide von 24 Stufen; oben darauf stand eine Quadriga. Ob auf ihr die aus vielen Fragmenten wieder ziemlich vollständig hergestellten Kolossalstatuen des Maussollos und einer Göttin gestanden haben, ist nicht sicher. Die Baumeister waren Satyros und Pythis, die Bildhauer, welche das Bauwerk mit Statuen und Friesen in Relief schmückten, Bryaxis, Leochares, Skopas und Timotheos. Den Ausgrabungen des Engländers Newton ist zu verdanken, daß außer den früher bekannten Reliefplatten noch zahlreiche Reste von Reliefen und Statuen gefunden und im Britischen Museum aufgestellt sind. (S. die Litteratur unter Halikarnassos und Petersen, Das M. v, Hamb. 1867. Ein Reliefbruchstück s. Tafel: Bildnerei II, Fig. 10.) ö 127 Unter den röm. Mausoleen, wie nachmals alle prächtigen Grabmäler genannt wurden, zeichnete sich das des Augustus auf dem Marsfelde aus, ein Rundbau, in mehrern kolossalen Absätzen emporsteigend. Die Absätze bildeten Terrassen mit Baumpflanzungen; auf dem Gipfel stand die Statue des Augustus. Ferner ist das M. des Hadrian zu nennen, ebenfalls ein über einem quadraten Unterbau, aber von 100 m Breite in Absätzen aufsteigender Rundbau; obenauf eine riesige Quadriga mit der Statue Hadrians. Die untern Teile bilden die heutige Engelsburg (s. d.). Aus späterer Zeit ist das M. des Theodorich zu Ravenna bemerkenswert (die heutige Kirche Sta. Maria della Rotonda). Es war eine innen runde, außerhalb zehneckige Kapelle, mit einer flachen Kuppel bedeckt. Im 17. Jahrh. ließen viele fürstl. Personen sich kleine Mausoleen bauen; von neuern sind zu nennen: das des Fürsten von Thurn und Taxis zu Regensburg; das der Königin Luise und ihres Gemahls König Friedrich Wilhelms III. von Preußen zu Charlottenburg, ein einfacher dor. Bau (von Schinkel) in edeln Verhältnissen. Nach ihm führte Laves das M. des Königs Ernst August und der Königin Friederike von Hannover im Berggarten des Schlosses Herrenhausen aus.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 539Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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