Miller (Ferd. von), der Altere, berühmter Erzgießer, geb. 18. Okt. 1813 zu Fürstenfeldbruck in Bayern, begann seine artistische Laufbahn als Silberarbeiter, besuchte dann die Akademie zu München und betrieb daneben in Stiglmayrs Atelier die Technik des Erzgusses. V Paris setzte er diese Studien bei Soyer fort und wurde zuerst bekannt durch die Erfindung einer neuen gefahrlosen Feuervergoldungsart großer Erzfiguren. Auch wurde durch ihn eine neue Methode für die Gußformen eingeführt. M. folgte Stiglmayr 1844 in der Leitung der königl. Erzgießerei und schloß sich eng an Schwanthaler an, dessen zahlreiche Schöpfungen meist durch M.s Hand in Metall ausgeführt worden sind, darunter besonders die Kolossalfigur der Bavaria (20,5 m hoch). Einer der kolossalen Löwen von Martin Wagners Viergespann auf dem Siegesthor erhielt 1851 auf der ersten Weltausstellung in London den ersten Preis. Im ganzen sind bisher über 160 kolossale monumentale Erzstatuen, 8 Reiterfiguren, 5 eherne Thore, darunter das figurenreiche Thor vom Kapitol in Washington und Schillings kolossale Germania für das Nationaldenkmal auf dem Niederwald aus seiner Gießerei hervorgegangen. M. war 1874 —81 für den 6. oberbayr. Wahlkreis (Weilheim) Mitglied des Deutschen Reichstags, wo er dem Centrum angehörte. Von seinen Söhnen haben sich vier in der Kunst, zwei in der Wissenschaft rühmlich hervorgethan: Ferdinand von M., der Jüngere, geb. 8. Juni 1842 in München, Bildhauer und Erzgießer, erhielt seinen ersten Unterricht bei seinem Vater, dann bei Hähnel in Dresden. Von seinen Kompositionen sind zu nennen die drei Kolossalstatuen von Humboldt, Shakspeare und Christoph Columbus für den Park von St.⸗Louis, ferner die Figur eines Soldaten, der begeistert seine Fahne an die Brust drückt, zu dem Denkmal, welches die Frauen von Charleston ihren gefallenen Söhnen errichteten, die Statue des Generals Mosquera für Columbia, ferner ein Grabmal in München, der Mutter Abschied von ihrem Kinde, der Maximiliansbrunnen in Bamberg und Albertus Magnus in Lauingen. Alle diese Werke sind in der königl. Erzgießerei, in welcher ihm der künstlerische Teil der Leitung übertragen ist, in Erz gegossen worden. Sein Bruder, Fritz von M., geb. 11. Nov. 1840 in München, Professor an der königl. Kunstgewerbeschule in München, hat als Goldschmied, Ciseleur und Emailleur in kunstgewerblicher Richtung Tüchtiges geleistet. Ein Schüler Fortners, hat er seine praktische Übung in London und Paris, seine künstlerischen Anlagen in Florenz, Rom und Neapel ausgebildet. Ludwig von M., Bruder der vorigen, geb. 23. Juni 1850 in München, der technische Leiter in der königl. Erzgießerei, vertritt in dieser Richtung seinen Vater in würdigster Weise und machte sich auch durch Erfindung einer neuen Formmethode bekannt. Oskar von M., Bruder der vorigen, geb. 7. Mai 1855 in München, ist Direktor der Edisonkompagnie für angewandte Elektricität in Berlin. Wilhelm von M., Bruder der vorigen, geb. 9. Dez. 1848 in München, ord. Professor der Chemie an der königl. technischen Hochschule München, erwarb sich namentlich Verdienste durch die ihm zu-Dekung mit C. O. Harz gelungene Wiederenteckung der seit Jahrhunderten verloren gegangenen sog. Cyprischen Goldfäden. Winfried von M., Bruder der vorigen, geb. 7. April 1854 in München, Schüler Alexander Wagners, ist ein beliebter Porträtmaler.