Mayas hieß ein verhältnismäßig civilisierter Indianerstamm in Pucatan und einigen angrenzenden Bezirken Centralamerikas. Die M. bildeten wahrscheinlich die Urbevölkerung dieser Länder, waren aber verschieden von den Azteken (s. d.), werden indes auch von einigen als die Nachkommen der um 1050 aus dem Anahuac verschwindenden Tolteken angesehen. Sie hatten eine eigene Schrift und eine selbständige Litteratur, bebauten den Boden, zimmerten Schiffe, bedienten sich im Verkehr bereits fester Tauschmittel, wie Muscheln, Kupferstücke und Kakaobohnen, und errichteten Tempel und Steingebäude, deren noch vorhandene Ruinen zu den merkwürdigsten architektonischen Denkmälern Amerikas gehören. In ihren Sitten und Gebräuchen unterschieden sie sich nicht wesentlich von den Übrigen Indianerstämmen. Ihre Sprache bildet den Hauptstamm der Maya-Huaxteco-Quiche-Sprachfamilie und hat sich seit der span. Eroberung behauptet. Manuskripte der M.⸗Sprache finden sich unter anderm in Dresden. Dieselben sind auf langgeschnittene Stücke der innern Baumrinde geschrieben, in Buchform gefaltet und werden von rechts nach links oder von unten nach oben gelesen. Die ersten Grammatiken der Mayasprache wurden von Villalpando und Landa gechrteben. Buenaventuras «Arte del Idioma Maya erschien 1560 in Mexiko; Pedro Beltran de Santa Rosa Maria gab 1746 das erste Wörterbuch der 2bhe Braßheraus. Neuerdings veröffentlichte der Abbe Brasseur de Bourbourg ein Dictionnaire, grammaire et chrestomathie de la langue Mayay (Par. 1872). Vgl. F. Müller, «Grundriß der Sprachwissenschafto (Bd. 2, Wien 1882). Die noch jetzt übrigen Reste der M. haben das Christentum angenommen.