Mehul (Henri Etienne), bedeutender franz. Komponist, geb. 24. Juni 1763 in der kleinen Festung Givet in den Ardennen, konnte schon als Knabe von 11 Jahren die Organistenstelle an der Franziskanerkirche in Givet versehen. Ein Jahr später trat er als Alumnus in die Abtei Lavaldieu unweit Givet, wo der Pater Hanser, ein tüchtiger deutscher Kontrapunktist, sein Lehrer wurde. Später kam er nach Paris, wo ihn Joh. Friedr. Edelmann im Klavierspielen unterrichtete und wo er das Interesse Glucks erregte, der sich seiner annahm. M.s Oper Euphrosine et Conradino kam in der Opéra-Comique im Winter 1790—91 mit glänzendem Erfolg zur Aufführung; desgleichen 1792 in der Großen Oper «Stratonicer, der noch eine Reihe Opern folgten, die aber keinen nachhaltigen Beifall fanden, mit Ausnahme der Chasser, deren Ouverture noch immer gern gespielt und gehört wird. Inzwischen war M. der Komponist der Revolution geworden. So komponierte er die gewaltige Melodie des Chant du départo (von Chénier), den «(Chant de victoires, den «Chant de retouro, die „Chanson de Rolando, sowiezahlreiche andere Stücke zu den republikanischen Festen. Nach Gründung des Konservatoriums erhielt er an demselben das Amt eines Inspektors, dann auch das eines Professors. Im J. 1807 brachte M. eine seiner bedeutendsten Schöpfungen, die Oper Josepho, zur Aufführung, die in Paris erst allmählich zu größerer Anerkennung gelangte, desto mehr aber sogleich in den franz. Provinzen und in Deutschland gefiel. Außerdem schrieb er noch einige Balletts und Symphonien, sowie einzelne Nummern zu gemeinschaftlich mit andern komponierten Gelegenheitsopern. Er starb 18. Okt. 1817 an einer Brustkrankheit. Als dramatischer Komponist nimmt M. einen hohen Rang ein. Er versteht in ausgezeichneter Weise den Wortausdruck mit dem musikalischen zu vereinen und den Charakter einer Situation mit einem geringen Aufwand von Kunstmitteln in Tönen zu schildern. Dabei vermag er nicht weniger im Anmutigen und Zarten als im Leidenschaftlichen und Erschütternden.