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ErdkundeBrockhaus 1882

Mekka, eigentlich Makka, die heiligste Stadt der Mohammedaner, bei den Arabern Ommeel-Kora, d. h. Mutter der Städte, der Geburtsort Mohammeds, der es den Anhängern seiner Lehre zur Pflicht machte, wenigstens einmal in ihrem Leben diese Stadt zu besuchen, liegt in der arab. Provinz Hedschas, 400 km südlich von Medina (s. d.), in einem engen, sandigen, unfruchtbaren und von dürren, kahlen Höhen und öden Sandflächen umgebenen Thale, das sich von Norden gegen Süden senkt und in dieser Richtung von dem Regenbach Wadi-el-Tarafeyn durchzogen ist. Sie zerfällt in die obere und die untere Stadt mit 25 Quartieren, außerhalb welcher sich die Vorstädte in engen Thälern hinziehen. Die Straßen sind ziemlich regelmäßig und breit, aber ungepflastert, staubig und kotig, die Häuser von Stein. Der einzige größere öffentliche Platz in der Stadt wird von der im Quadrat erbauten Hauptmoschee mit ihren Höfen und Kolonnaden eingenommen. Alle Wohnhäuser sind zu Mietswohnungen für Pilger eingerichtet, und während des Gedränges der Hadsch sind unzählige Kaufläden und Kaffeehäuser geöffnet, alle Quartiere mit langen Reihen von Butiken besetzt. Die Brunnen sind meist brackisch; der berühmte Brunnen Zemzem hat schwer verdauliches Wasser. Das beste Wasser wird 40 km weit von Arafat durch einen Aquädukt herbeigeleitet. Außer einigen Wachttürmen an den Eingängen der Stadt und einem kleinen Kastell deckt dieselbe das an der Ostseite des Thals auf einer Anhöhe gelegene große, von dicken Mauern und Türmen umgebene Kastell, das die Stadt zwar beherrscht, aber von noch größern Höhen dominiert wird. Sonst hatte M. über 100000, jetzt 50—60000 seßhafte E. Früher brachten zahlreiche Karawanen aus allen Teilen der mohammed. Welt reichliche Gaben nach der heiligen Stadt; doch haben diese frommen Spenden mit der Verminderung der Pilger fast ganz aufgehört. Auch hat der Handel in M. sehr abgenommen, das sonst durch das Zusammenströmen so vieler Pilger ein Hauptmarkt und Stapelplatz zwischen Arabien und dem übrigen Asien, Afrika und Europa war. Als Hafen Mis kann Dschidda (s. d.) am Roten Meer gelten. Die Stadt besaß sonst angesehene Schulen und viele fromme Stiftungen und Anstalten, die aber insgesamt sehr im Verfall sind. Von Industrie ist nur die Fabrikation von Rosenkränzen in Blüte. „Der eigentliche Mittelpunkt der Stadt, um den sich das ganze Leben ihrer Bewohner sowie der ganze Ideenkreis der mohammed. Völkerwelt dreht, ist die große Hauptmoschee, das Beit-ullah, d. h. Gotteshaus, oder El-Haram, d. h. die Unverletzbare, welcher sich weder Christen noch Juden nahen dürfen, ein altes Gebäude, das als solches mit seinen 19 Thoren und 7 hohen Minarets weder durch Größe noch durch Schönheit und Konstruktion sich vor andern Tempeln des Orients auszeichnet, durch Reparaturen und Flickwerke aus alten Resten ein modernes Bauwerk ohne Einheit, ohne Stil geworden und nur wegen des Würfelbaues der Kaaba (s. d.) beachtenswert ist, welche in der Mitte des 230 m langen und 160 m breiten, auf allen Seiten mit vierreihigen Pfeilern und Kolonnaden von 484 Säulen umgebenen Hofraums steht. M. wird schon von Ptolemäus unter dem Namen Makoraba erwähnt; aber die Geschichte der Stadt beginnt mit Mohammed, zu dessen Zeit sie im Besitz der Koreischiten war, und nach dessen Tode sie nebst ihrem Gebiet das Erbteil der Nachkommen Mohammeds wurde. Das Haupt derselben regierte unter dem Titel eines Großscherifs und wußte eine Zeit lang den Kalifen das Gegengewicht zu halten. Später nahmen die osman. Sultane den Titel als Beschützer der heil. Städte M. und Medina an und ernannten den Großscherif aus der Mitte der Scherifen, jedoch war ihr Einfluß immer nur sehr beschränkt. M. wurde 1803 von den Wahabiten (s. d.) eingenommen und geplündert. Doch dauerte ihre Herrschaft nur kurze Zeit. Später mußte sie sich dem Pascha von Agypten, Mehemed-Ali, der den Großscherif nach Kairo als Gefangenen führen ließ, unterwerfen. Doch 1840 entzogen sich die Scherife wieder der ägypt. Herrschaft. Vgl. Burton, Personal narrative of a pilgrimage of el Medinah and Meccahy (Bd. 3, Lond. 1856; 3. Aufl. 1879); H. von Maltzan, „(Meine Wallfahrt nach M.» (2 Bde., Lpz. 1865).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 594Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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