FeedMelchers (Paulus)
ReligionBrockhaus 1882

Melchers (Paulus), ehemaliger Erzbischof von Köln, geb. 6. Jan. 1813 zu Münster, studierte erst die Rechte, dann Theologie, wurde 1841 Kaplan zu Haltern, dann Subregens am Priesterseminar zu Münster und 1851 Generalvikar daselbst, 1857 zum Bischof von Osnabrück und 1866 zum Erzbischof von Köln ernannt. Er stimmte zwar auf dem Vatikanischen Konzil nur bedingt dem Unfehlbarkeitsdogma zu, unterwarf sich aber nach dessen Proklamierung rückhaltslos demselben. Nachdem er wegen vielfacher Zuwiderhandlungen gegen die neuen kirchenpolit. Gesetze schon vom 31. März bis 9. Okt. 1874 eine Gefängnisstrafe im Kreisgericht zu Köln verbüßt hatte, wurde er wegen wiederholter Gesetzesübertretungen 28. Juni 1876 von dem Gerichtshofe für kirchliche Angelegenheiten für abgesetzt erklärt. Doch hatte sich M. den Absetzungsprozeduren schon 13. Dez. 1875 durch die Flucht entzogen und seinen Aufenthalt in der holländ. Provinz Limburg nahe an der preuß. Grenze genommen. Da er von dort seine Amtsthätigkeit fortzusetzen suchte, wurde er 28. Juli 1877 durch das Landgericht zu Köln wegen unbefugter Vornahme geistlicher Handlungen von neuem zu einer Gefängnisstrafe von 30 Tagen verurteilt und, weil er geflüchtet, seit 14. Nov. 1877 steckbrieflich verfolgt. Verhandlungen über seine Zurückberufung oder über Einsetzune eines Nachfolgers waren bisher erfolglos.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 599Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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