Memling (Hans), früher fälschlich auch Hemling genannt, einer der vorzüglichsten Maler der altflandr. Schule. Daß er deutscher Herkunft war, ist wahrscheinlich; daß er nach vergeudeten Jugendjahren in den Niederlanden sich habe als Soldat anwerben lassen, unter Karl dem Kühnen die Schlacht bei Nancy mitgemacht, verwundet in das Johannishospital zu Brügge gekommen sei und, hier gepflegt, aus Dankbarkeit seine Kunst der frommen Anstalt gewidmet habe, ist eine Fabel, die erst im 18. Jahrh. entstand. Aus urkundlichen Andeutungen läßt sich schließen, daß er um 1440 geboren wurde; sein Todesjahr ist 1494. Er war Schüler des ältern Rogier van der Weyden, aber auch von Dirk Bouls beeinflußt. Seinen ständigen Wohnsitz hatte er in Brügge. M.s Bilder zeigen eine außerordentliche Farbenpracht und die liebevollste Ausführung des Details. Er liebt es, nach dem Verfahren seiner Zeit mehrere Scenen in einem Rahmen zu vereinigen. Ihm eigentümlich sind lebhaft bewegte Gruppen und zahlreiche kleine Figuren. Höchst bedeutend zeigt er sich in der Porträtmalerei. Zu seinen vorzüglichsten Werken gehören der Schrein der heil. Ursula im Johannishospital zu Brügge (ein Reliquienbehälter in Gestalt einer got. Kapelle, an den Außenwänden mit der Legende der Heiligen auf 16 Feldern miniaturartig bemalt); Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XI. der Johannisaltar ebendaselbst; die sieben Freuden der Maria zu München; die sieben Schmerzen der Maria zu Turin; der Kreuzigungsaltar mit acht Flügelbildern von 1491 im Dom zu Lübeck. (Vgl. Th. Gaedertz, KHans M. und dessen Altarschrein im Dom zu Lübeckv», Lpz. 1883.) Das Jüngste Gericht in der Marienkirche zu Danzig, das ihm früher zugeschrieben wurde, ist wahrscheinlich nicht von ihm.