FeedMendelssohn (Moses)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Mendelssohn (Moses), ausgezeichneter philos. Schriftsteller, geb. 6. Sept. 1729 zu Dessau, von ud. Abkunft, zog sich durch frühzeitige geistige Anstrengung ein Nervenleiden zu, als dessen Folgen Rückgratskrümmung und Kränklichkeit zurückblieben. Seit 1743 lebte M. in Berlin, wurde 1750 Hauslehrer bei dem jüd. Seidenfabrikanten Bernhard und 1754 Buchhalter bei demselben. Mit seinem Freunde Lessing gab er 1755 die anonyme Schrift Pope ein Metaphysikerv heraus. In demselben Jahre erschien die erste Auflage von M.s Briefen «über die Empfindungens, die sich durch Natürlichkeit der Darstellung auszeichnen. M. trat auch mit Abbt und Nicolai in enge Verbindung und nahm thätigen Anteil an der (Bibliothek der schönen Wissenschafteno, sowie an den Briefen, die neueste Litteratur betreffendo. Von der berliner Akademie erhielt er 1763 den auf die Beantwortung der Frage «über die Evidenz der metaphysischen Wissenschaften» gesetzten Preis. Im J. 1767 veröffentlichte er den Phädon, oder über die Unsterblichkeit der Seeles (neu herausg. von Bodek, Bd. 28 der «Bibliothek der deutschen Nationallitteratur des 18. und 19. Jahrh.», Lpz. 1869). Klarheit der Darstellung und Eleganz des Stils erwarben diesem Werk europ. Ruf und machten M. zu einem der geehrtesten Schriftsteller des Aufklärungszeitalters. Die Ideen, die M. in seinem Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum“ (1783; neu herausg. von Bodek, gemeinsam mit dem «Phädono) niederlegte, griffen tief eingewurzelte Vorurteile seiner Stammesgenossen an. In den „Morgenstundenv(1785) gab er die Grundzüge seines philos. Systems, besonders die Lehre vom Dasein Gottes. In der Schrift Moses M. an die reunde Lessingso widerlegte er die Behauptung H. Jacobis, Lessing sei Spinozist gewesen. M. starb 4. Ruhr 1786. Von seinen Schriften sind noch anzuführen die Abhandlung über die Wahrscheinlichkeite (1755), «über die Rettung der Judenv (Berl. 1782) und die übersetzung des Pentateuch und der Psalmen. Die vollständigste Ausgabe seiner Gesammelten Schriften besorgte sein Enkel G. B. Mendelssohn (7 Bde., Lpz. 1843—45), seine „Schriften zur Philosophie, AÄsthetik und Apologetiks gab Brasch (2 Bde., Lpz. 1880) heraus. Kayserling veröffentlichte eine Biographie M.s (Berl. 1862), Brasch Moses M. Lichtstrahlen aus seinen philos. Schriften und Briefen. Nebst einer Biographie und Charakteristik M.sy (Lpz. 1875). Joseph M., ältester Sohn des vorigen, geb. 11. Aug. 1770, gest. 24. Nov. 1848, gründete mit seinem Bruder Abraham M. (geb. 10. Dez. 1776, gest. zu Berlin 19. Nov. 1835), dem Vater Felix Mendelssohn-Bartholdys, 1805 zu Berlin das Bankierhaus Mendelssohn u. Comp.v, das von Josephs Sohn, Alexander M., und Abrahams Sohn, Paul M.⸗Bartholdy, fortgeführt wurde; gegenwärtig sind die Inhaber: Josephs Enkel, Franz M., Abrahams Enkel, Ernst M.⸗Bartholdy, Und Josephs Urenkel Robert M. Georg Benjamin M., Sohn Josephs, geb. 16. Nov. 1794 zu Berlin, Professor an der Universität Bonn, schrieb „Observationes geologico-geographicae de naturalibus soli in Germania formisv (Kiel w1828), (Das german. Europay (Berl. 1836) und Die ständischen Institutionen im monarchischen Staate (Bonn 1846). Von Moses' Töchtern lebte die älteste, Henriette, in Paris als Erzieherin und vertrat Mutterstelle an der einzigen Tochter des Generals Sébastiani, der nachmaligen Herzogin von Praslin. Die zweite Tochter, Dorothea, bekannt als Romanschriftstellerin, war in erster Ehe mit dem Kaufmann Simon Veit (gest. im Nov. 1819), nach deren Auflösung in zweiter Ehe mit Friedrich von Schlegel (s. d.) vermählt. Sie ist die Mutter des Malers Philipp Veit.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 614Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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