Mendelssohn-Bartholdy (Felix), einer der ausgezeichnetsten Komponisten des 19. Jahrh., geb. 3. Febr. 1809 zu Hamburg. Sein Vater, der Bankier Abraham M., war der zweite Sohn des Philosophen Moses Mendelssohn, seine Mutter die Schwester des Legationsrats Salomon Bartholdy. Im dritten Lebensjahre kam der Knabe mit seiner r. nach Berlin, wo deren Haus bald ein ammelpunkt wissenschaftlicher und künstlerischer Celebritäten wurde. Nachdem ihm die Mutter den ersten Klavierunterricht erteilt, erhielt er durch Lud. Berger seine Weiterbildung. Seine Fertigkeit erregte schon in seinem neunten Jahre Erstaunen. Ebenso machte er in seinen Kompositionsstudien unter Zelters Leitung ungemeine Fortschritte. Seit 1821—25 entstanden mehrere Klavierquartette, die Oper „Die Hochzeit des Gamachov (1827 in Berlin aufgeführt) und ein Streichoktett. Aus den J. 1826 —28 stammen die Ouverture zum «Sommernachtstraump und Meeresstille und glückliche Fahrty, welche Werke seinen Ruhm mit begründet haben. M. unternahm 1829 seine erste Kunstreise nach London. Im Mai 1830 ging er nach Italien, 1831 nach Paris, London u. s. w. Die Eindrücke dieser zwei Reisejahre legte er in seinen Reisebriefend (Lpz. 1861; 8. Aufl., Lpz. 1869) nieder. Außer vielen Kirchenstücken gehören dieser Zeit eine Reihe kleinerer Sachen an, wie die Hebriden-Ouverture, die ersten Lieder ohne Worte, die «Walpurgisnachto (später umgearbeitet), das G6moll-Konzert, das H-moll-Capriccio, zum großen Teil die Symphonien in A-dur und A-moll und die Ouverture zum Märchen von der schönen Melusinev. Nachdem er 1833 zum dritten mal England besucht, trat er im Herbst dieses Jahres das Amt als städtischer Musikdirektor in Düsseldorf an, wo er neben Immermann bis in den Sommer 1835 wirkte. Seit 4. Okt. 1835 dirigierte er als Musikdirektor die Gewandhauskonzerte in Leipzig. Mit der übersiedelung nach Leipzig begann M.s reichste und vielseitigste Thätigkeit. Bis 1841 dirigierte er fast ununterbrochen die Gewandhauskonzerte. Auch vollendete er sein Oratorium «Paulusv, dessen Anfänge er mit nach Leipzig brachte und das 1836 beim Musikfest in Düsseldorf zuerst aufgeführt wurde. Ferner gehören jener Zeit an (das Klavierkonzert in D-moll, der 42., 95. und 114. Psalm, die Ouverture zu KRuy-Blas o, das Klaviertrio in D-moll, die Symphonie-⸗Cantate „Lobgesang » (zur 400jährigen Jubiläumsfeier der Buchdruckerkunst komponiert) u. s. w. Bereits 1837 hatte sich M. mit Cäcilie Jeanrenaud, der hinterlassenen Tochter eines reform. Predigers in Frankfurt a. M., vermählt. Der König von Preußen berief ihn 1841 nach Berlin, wo er die Musik zu Sophokles'«Antigonev vollendete. Anfang 1842 kehrte er wieder nach Leipzig zurück, dirigierte aufs neue die Gewandhauskonzerte, schuf 1843 seine Musik zum »Sommernachtstraum v und rief das Konservatorium der Musik ins Leben. Im Winter 1843 ging er abermals nach Berlin, wo er nun mit dem Titel eines königl. General-Musikdirektors einen bestimmten Wirkungskreis als Leiter der Kirchenmusiken im Dom, der Symphonie-Soiréen der königl. Kapelle u. s. w. erhielt. Ungeachtet aller Auszeichnung von seiten des Königs konnte er dessen Pläne zur Reorganisation der Musik in Berlin nicht zur Ausführung bringen. M. begab sich, nachdem er das Verhältnis in Berlin gelöst, zunächst nach Frankfurt a. M., aber im Aug. 1845 befand er sich wieder in Leipzig, wo er die Musik zu Sophokles' 4dipus in Kolonos» und die Neubearbeitung der schon früher (1843) komponierten Musik zu Racines «Athalias» vollendete. Im J. 1846 ging er nach Birmingham, wo sein Oratorium „Eliasv 25. Aug. zum ersten mal aufgeführt wurde. Nachdem er sich im Winter 1846—47 wieder an der Direkton der Gewandhauskonzerte zu Leipzig beteiligt und einen Besuch in England gemacht, verlebte er den Sommer 1847 teils in Baden-Baden, teils in der Schweiz und kehrte im September nach Leipzig zurück. Hier erkrankte er zu Anfang Oktober und starb 4. Nov. 1847; die Leiche wurde jedoch in Berlin beigesetzt. Mit großer Gewandtheit wußte M. die Formen älterer Meister zu seinen Kompositionen zu verwerten, obwohl er eigentlich nur zu Sebastian Bach in einem nähern Verhältnis stand, wie er auch dessen Matthäuspassion» 1829 in Berlin zuerst wieder aufgeführt hat. Von seinen zahlreichen Kompositionen für Gesang sind die meisten allgemein beliebt geworden. Eine Oper, «Loreleiv, und ein Oratorium, «Christus v, blieben unvollendet. Mit seinen Oratorien „Pauluso und 4«Elias o hat M. großen Erfolg gehabt; dieselben gehören einer Mischform an, da in Nachahmung Bachs prot. Choräle eingestreut sind. Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien 1871— 77 kritisch revidiert von Rietz) in Leipzig. Vgl. M.s Briefeo, von seinem Bruder mit biographischen Nachrichten herausgegeben (Bd. 1: Reisebriefe 1830—32, 8. Aufl., Lpz. 1869; Bd. 2: „Briefe 1833—475, 6. Aufl., Lpz. 1875); C. Polko, „Erinnerungen an Felix M.» (Lpz. 1868); Ed. Devrient, Meine Erinnerungen an Felix M. und seine Briefe an mich » (2. Aufl., Lpz. 1872); Reißmann, (Felix M. Sein Leben und seine Werkey (2. Aufl., Berl. 1872); Hiller, „Felix M. Briefe und Erinnerungen » (Köln 1874); Karl Mendelssohn-Bartholdy, «Goethe und Felix M.v (Lpz. 1871). Der älteste Sohn M.s, Karl M.⸗B., geb. 7. Febr. 1838 zu Leipzig, erwarb sich die jurist. und philos. Doktorwürde, unternahm 1863 zwei Reisen nach Griechenland, habilitierte sich 1864 als Privatdocent für Geschichte in Heidelberg und wurde 1867 Professor in Freiburg i. Br., trat aber Anfang 1874 in Ruhestand und starb 24. Aug. 1874 zu Horchheim bei Koblenz. Litterarisch hat er sich durch die Werke 4Graf Johann Kapodistrias v (Berl. 1864), «Friedrich von Gentz» (Lpz. 1867), „Geschichte Griechenlands 1453 bis auf unsere Tager (2 Bde., Lpz. 1870—74) u. a. bekannt gemacht. Der jüngere Sohn, Paul M.⸗B., geb. 18. Jan. 1841 zu Leipzig, Doktor der Philosophie in Berlin, hatte . der Chemie zugewandt, starb aber schon 16./17. Febr. 1880 in Berlin.