Messe (lat. missa). In der alten lat. Kirche zerfiel der öffentliche Gottesdienst in zwei Teile, den Predigtgottesdienst oder die M. der Katechumenen und die Kommunionfeier, an der jene nicht teilnehmen durften, oder die M. der Gläubigen oder Getauften. Der Name M. stammt daher, daß der Schluß beider Teile des Gottesdienstes den Anwesenden mit den Worten angekündigt wurde: Ite, missa esto (nämlich concio), d. h.: (Gehet, die Versammlung ist entlassen.v Dieses Wort missa trug man auf die Teile des Gottesdienstes selbst über und nannte sie M. In der röm.⸗kath. Kirche versteht man unter M. das bei der Feier des Abendmahls gebräuchliche oktficium, d. h. Gebet vor dem Altar (daher der Ausdruck „M. und vor allem das sog. Meßopfer, d. h. die priesterliche Handlung, durch welche nach kath. Lehre Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi verwandelt und so als unblutige Wiederholung des blutigen Kreuzesopfers Christi Gott dargebracht werden. Papst Gregor d. Gr. bildete die Meßgebräuche aus, und bereits im 8. Jahrh. kamen die Privatmessen auf, bei denen der Priester allein das Abendmahl feierte. Die Feierlichkeit der M., wie sie in der röm.⸗kath. Kirche stattfindet, wird in vier Teile geteilt: 1) den Introitus (Eingangsgebete, Schuldbekenntnis, Absolution); 2) das Offertorium (s. d.); 3) die Konsekration oder die Einsegnung der Hostie und des Weins (Wandlung, Transsubstantiation; die dabei gesprochenen Gebete heißen der Meßkanon); 4) die Sumtion oder der Genuß des geweihten Brotes und Weins. Nach den Graden der Feierlichkeit und der Zahl der dabei ministrierenden Personen wird sie eingeteilt in hohe oder große und niedrige M., zu welcher auch die stille, wo die Gebete still gelesen werden, und die Handmessen, welche täglich gelesen werden und wofür der Priester das Geld auf die Hand empfängt, gehören. Die hohe M. (auch Hochamt) wird von den Chorsängern (zuweilen unter Musikbegleitung) gesungen und unter dem Beistande eines Diakons und Subdiakons gehalten. Sie wird feierlicher dadurch, daß der Bischof sie hält; die feierlichste M. aber ist die päpstliche. Auch sind die M. nach den Festen verschieden, an welchen sie gehalten werden, z. B. die Heiligegeistmesse bei einer feierlichen Wahl oder Versammlung der Geistlichen. Eine besondere Art sind die Seelenmessen oder Totenmessen für die Errettung der Seelen der Gestorbenen aus dem Fegfeuer und die Linderung ihrer Qualen. Sie werden teils von den Sterbenden, teils von ihren Verwandten bestellt und geben eine Hauptveranlassung zu Vermächtnissen an Kirchen und Geistliche. Die Totenmesse (missa pro defunctis) hat ihre besondern Feierlichkeiten. Für die Kinder unter sieben Jahren wird eine sog. Engelmesse gehalten. Die sog. trockene M. wird auf der See gelesen, weil man bei derselben den Kelch wegläßt, damit nicht durch die Bewegung des Schiffs etwas von dem konsekrierten Wein verschüttet werde. Das Ritual für die M. ist in den Meßbüchern oder Missalen (s. d.) enthalten. Das jetzt in der kath. Kirche gebräuchliche Meßbuch stammt von Pius V. (1570). Die griech. Kirche weicht in der Abendmahlsliturgie mehrfach von der römischen ab; bei den Protestanten kam mit der Verwerfung des Meßopfers und der Verwandlungslehre auch der Name M. frühzeitig ab. Reste der alten Meßliturgie haben sich her und da in der luth. Kirche erhalten. M. heißt auch die Musik beim kath. Hochamt, welche aus dem Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Osanna, Benedictus, Agnus Dei und Dona nobis pacem besteht. Die Musik während des Hochamts in der kath. Kirche, gewöhnlich ebenfalls M. oder Missa benannt, besteht nach den Anfangsworten des zu singenden Textes 1) aus dem Kyrie eleison oder Christe eleison; 2) aus dem Gloria in excelsis Deo, wozu noch das Laudamus te ete., Gratias agimus tibi etc., Domine Deus rex coelestis etc., Qui tollis peccata etc. und Cum sancto spiritu ete. kommen; ferner 3) aus dem Credo oder apostolischen Glaubensbekenntnis; 4) dem Sanctus und Hosianna; 5) dem Benedictus und 6) dem Agnus Dei. Da die M. einen so wesentlichen Teil des kath. Gottesdienstes bildet, daß derselbe kurzweg als M. 4 wird, so haben von jeher die Tonkünstler ihre Kraft an der Komposition dieser hochbedeutsamen und zum Teil auch poetisch erhabenen Texte versucht. Unter den M. aus der Periode der alten Kirchenmusik ragen die von Josquin und Palestrina hervor; unter den Spätern haben J. S. Bach und die großen wiener Meister (Haydn, Mozart und Beethoven) Werke geschaffen, die schon ihres Umfangs wegen zum Teil für den Gottesdienst ungeeignet sind, als Kunstwerke im Konzertsaal aber allgemeine Anerkennung fanden.