FeedMeteorologie (grch.)
NaturlehreBrockhaus 1882

Meteorologie (grch.), die Lehre von den Vorgängen in der Atmosphäre unserer Erde, sowie von den Gesamterscheinungen, welche jene dort hervorbringen. Da diese letztern dasjenige bedingen, was wir mit dem Namen Wetter bezeichnen, so mag man die M. auch mit Witterungskunde als gleichbedeutend ansehen. Ein anderes Verhältnis besteht zwischen M. und Klimatologie (s. d.), welche beide als sich ergänzende Zweige der M. im weitesten Sinne aufzufassen sind. Die Meteorologie im engern Sinne kann als der mehr theoretische Teil bezeichnet werden, indem namentlich die physik. Erklärung der beobachteten Thatsachen und Vorgänge ihr zufällt. Sie beschäftigt sich also einerseits mit der Beobachtung des Drucks der Temperatur, der Feuchtigkeit, der Stärke und Richtung der Strömungen (Winde, s. d.) und der elektrischen Beschaffenheit des Luftmeeres, andererseits aber auch mit der Deutung und Verwertung des aus diesen Beobachtungen gesammelten Materials. Zur Erreichung dieser Ziele ist die M. vielfach genötigt ihre Zuflucht zur Physik und Geographie als Hilfswissenschaften zu nehmen, während bis vor nicht zu ferner Zeit die M. noch als ganz untergeordneter Teil der Physik vielfach angesehen und behandelt wurde. Gegenwärtig ist die M. eine selbständige Wissenschaft, der sich bedeutende Männer voll und ganz widmen. Schon die Alten haben manche wichtige und bemerkenswerte meteorolog. Beobachtungen gemacht, soweit sich dieselben ohne Instrumente anstellen ließen und nur des Scharfsinnes des Beobachters bedurften. Wirklich messende Beobachtungen wurden erst möglich mit der Erfindung zuverlässiger und vergleichbarer Instrumente zur Wärmemessung und zur Bestimmung des Luftdrucks, d. h. mit Erfindung des Thermometers (s. d.) und Barometers (s. d.). Diese beiden Instrumente bilden auch heute noch neben vielen andern meistens der Neuzeit angehörigen in weit vervollkommnetern Formen die Hauptausrüstung einer meteorolog. Beobachtungsstation. Es dauerte indes Morer Zeit, bis man von einer wissenschaftlichen M. reden konnte, es fehlte nicht nur an einer genügenden Anzahl von Beobachtungsstellen, sondern namentlich auch an Männern, welche Scharfsinn genug besaßen, um sich in der Kombination so mannigfacher Erscheinungen mit Glück zu versuchen. Endlich erklärte in der letzten Hälfte des 18. Jahrh. Franklin die elektrische Natur des Blitzes, Saussure und Delue erfanden neue und verbesserte Instrumente, und der Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz stiftete die erste Meteorologische Societäto in Mannheim, deren (Ephemerideno damals eine wesentliche Stütze der meteorolog. Forschung bildeten und auch noch manches für die Gegenwart Brauchbares enthalten. Solange die Beobachtungen über den Zustand und die Vorgänge in der Atmosphäre nur an einzelnen Orten und mit meistens unter sich noch gar nicht verglichenen Instrumenten gemacht wurden, konnte im wesentlichen die M. nichts anderes sein als eine Sammelwissenschaft, ohne irgend erheblich fruchtbringende Thätigkeit. Alexander von Humboldt war der erste, der, durch seine r. Erfahrungen in den Stand gesetzt, dahin gelangte, die Witterungsverhältnisse der einzelnen Länder und ihre gegenseitigen Unterschiede und Abhängigkeit von denselben allgemeinen Gesetzen von einem umfassendern Standpunkt zu betrachteten und zu skizzieren. Auch Leopold von Buchs Studien über die Verteilung des Luftdrucks sind von hoher Wichtigkeit gewesen. Aber erst die Verbindung einer großen Anzahl von sog. Meteorologischen Stationen (s. d.) untereinander, sowohl in den einzelnen Ländern als auch in noch viel wirkungsvollerer Weise zu einem internationalen Netz, konnte die M. zu dem machen, was sie gegenwärtig ist, nämlich zu einer wirklich ausgebildeten Wissenschaft. Feste, sicher erkannte Gesetze, wenn auch bis jetzt nur wenige an Zahl, bilden das Fundament, auf dem mit Hilfe der bekannten physik. Erfahrungen und Theoreme weiter gebaut wird. Die Gründung eines ausgedehnten Beobachtungsnetzes in Deutschland ist vornehmlich auch auf Humboldts Anregung zurückzuführen, später wirkte vor allem Dove in dieser Richtung weiter, aber auch in theoretischer Beziehung förderte dieser ausgezeichnete Meteorolog seine Wissenschaft bedeutend, worin ihm Buys-Ballot, Jelineck, Ferrel, Hann und viele neuere Gelehrte folgten. Ausgedehnte und meist gut organisierte Stationsnetze besitzen sonst noch Osterreich, England, Nordamerika, die Niederlande, Rußland, Dänemark, Frankreich, Italien, Portugal und die Skandinavische Halbinsel. Zur Vereinigung aller dieser Länder zu einem gemeinsamen Zusammenwirken nach einheitlichen Prinzipien wurden in neuester Zeit mehrfache Meteorologenkonferenzen abgehalten, so Leipzig 1872, zu Wien 1873, zu London 1874, zu Rom 1879; später die Konferenzen des Permanenten Komitees zu Bern 1880 und Kopenhagen 1882. Eine Hauptaufgabe hat sich die heutige M. darin gesteckt, auf Grund der über einen weiten Kreis gleichzeitig angestellten Beobachtungen in Verbindung mit den bekannten Gesetzen der Luftbewegung e u. s. w. für bestimmte Gegenden auf kürzere oder f längere Zeit hinaus das Wetter vorherzusagen, d. h. Reten Wetterprognosen (s. Prognosen) zu stellen. Inwiefern dieses Vorhaben bis heute als ein gelungenes zu bezeichnen ist, läßt sich einiger⸗( maßen daraus ersehen, daß an den größern Stationen (Centralstationen), welchen ein umfassendes Material zur Verfügung steht, unter 100 Fällen l etwa 85 als zutreffende Vorhersagungen angenommen werden können. Eine eng mit der Bearbeitung großen Beobachtungsmaterials (namentlich gleichmenhängendes neueres meteorolog. Unternehmen ist die von Hoffmeyer begründete und von der Deutschen Seewarte fortgesetzte Herausgabe Synoptischer Wetterkartenv. Eine innige Verbindung vieler meteorolog. Vorgänge mit erdmagnetischen hat vielfach zu einer Vereinigung der beiden Disciplinen geführt, so namentlich bei der Ausführung von Beobachtungen an isolierten Stationen. Eins der Hauptverbindungsglieder stellt das Phänomen des Polarlichts (. Nordlicht) dar. Litteratur. Kämtz, Meteorologies (3 Bde., Opz. 1832—36); derselbe, „Vorlesungen über M.v Halle 1846); Dove, Meteorologische Untersuchungeno (Berl. 1837); Kunzek, Lehrbuch der M.v (Wien 1850); Cornelius, „Meteorologieß (Halle 1863); Schmid, «Lehrbuch der M.d (Lpz. 1860); derselbe, Grundriß der M.» (Lpz. 1862); Davy, Les mouvements de l'atmosphère et des merso (Par. 1867); Lommel, «Wind und Wetterv (Münch. 1873); Buchan, ntroductory text-book of Metegrologyo (Lond. 1871); Guldberg und Mohn, Etudes sur les mouvements de l'atmosphère (Tl. 1 und 2, Kristiania 1876—80); Die moderne M. Sechs Vorlesungendo (aus dem Englischen, Braunschw. 1882); Klein, «Allgemeine Witterungsdeutschen M.» (Lpz. 1883); Mohn, Grundzüge der M. Die Lehre von Wind und Wetterv ldeutsche Original-Ausg., 3. Aufl., Berlin 1883); Scott, „Elementare M. (deutsch von von Freeden, Lpz. 1884). Namentlich aber ist hervorzuheben die von der Hsterreichischen Gesellschaft für M. herausebene Zeitschrift der Osterreichischen Gesellschaft für M.p (redigiert von Hann, Bd. 1—20, Wien 1866—85) und die von der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft veröffentlichte Meteorologische Berl chrifth (redigiert von Köppen, 1. u. 2. genmw. erl. 1884—85). Letztere beiden Gesellschaften sowohl als auch ihre Organe haben sehr viel zur Verbreitung richtiger Anschauungen und Anregung zu meteorolog. Thätigkeit beigetragen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 665Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Naturlehre 6