Michelet (Jules), namhafter histor. und philos. Schriftsteller, geb. 21. Aug. 1798 zu Paris, wurde 1830 Chef der histor. Abteilung im Reichsarchiv und gleichzeitig Guizots Stellvertreter an der Sorbonne. Im J. 1838 erfolgte seine Aufnahme in die Akademie moralischer und polit. Wissenschaften und seine Ernennung zum Professor der Geschichte am Collége de France. Gestützt auf die Sympathien der studierenden Jugend, begann er für die demokratischen Ideen und namentlich gegen die Jesuiten und ultramontanen Bestrebungen eine heftige Fehde, die ihm erbitterte Feinde zuzog. Infolge dessen gab M. mehrere Flugschriften heraus, wie Des Jésuiteso (1843), mit Quinet gemeinschaftlich verfaßt; Du prétre, de la femme et de la famillep (18440%, Du peuplen (1846). Die Regierung schloß 1851 seinen Lehrcursus und nach dem 2. Dez. 1851 verlor er wegen Verweigerung des Huldigungseides seine Archivarstelle. Aus der folgenden Zeit stammen seine vielgelesenen Schriften: «L'oiseauv (1856; deutsch, Berl. 1870), L'insectep (1857; deutsch von Blasius, Braunschw. 1858), L'amoury (1858; deutsch von Spielhagen; 4. Aufl., Lpz. 1874), La femme (1859; deutsch von Spielhagen; 2. Aufl., Lpz. 1875), (La mero (1861; deutsch von Spielhagen, Lpz. 1861), (La sorcièren (1863; deutsch von Klose, Lpz. 1863). Am bedeutendsten ist jedoch M. als Historiker. In dieser Beziehung sind 1843), „Histoire de France (16 Bde., 1835—67), Précis de Ihistoire modernep (Par. 1833; 9.Aufl. 1864). M. verbindet mit einer großen Kenntnis der Quellen eine Kraft der Phantasie, welche die Personen wieder aufleben läßt und die Schilderung dramatisiert. M. starb 9. Febr. 1874 in Hyeres, 1876 wurde seine Leiche auf dem Kirchhof Pere-Lachaise zu Paris beigesetzt. Aus seinem Nachlaß erschien Histoire du XIX‘ sièclen (3 Bde., Par. 1875). Vgl. Monod, «Jules M.» (Par. 1875).