Mineralwachs, imitiertes Bienenwachs, s. unter Wachs. Mineralwasser. Die Mineralquellen unterscheiden sich von den gewöhnlichen durch einen merklich größern oder geringern Gehalt ihres Wassers an Salzen, manche äußerdem noch durch ihren Gehalt von besondern, im gewöhnlichen Wasser nicht oder nur in geringen Mengen vorkommenden Stoffen und endlich durch eine hohe Temperatur. Der Gehalt der Mineralwässer an festen Teilen schwankt etwa zwischen 0,2 und 15, g auf 1000 g Wasser. Die Temperatur der gewöhnlichen Quellen beträgt selten unter 6e, dagegen besitzen manche Mineralquellen selbst sehr hohe Temperaturen, so der Sprudel in Karlsbad und das Wasser von Plombières 60“, die Quelle von Chaudes-Aigues 87², die Petersquelle am Kaukasus und die Quelle von Las Trincheras in Venezuela 90“. Die kalten Mineralquellen nennt man Krenen, die heißern und lauen Thermen und Chliaren. Der Ursprung der Mineralwässer ist derselbe wie der Ursprung gewöhnlicher Quellwässer. Ihren Gehalt an Salzen erhalten sie durch Auswaschung unterirdischer Salzlager, die hohe Temperatur durch ihre schnelle Beförderung aus tiefen, dem Innern der Erde näher gelegenen Stellen an die Oberfläche. Die Mineralquellen entspringen teils natürlich, teils sind sie erbohrt worden. Man teilt sie nach ihrem Gehalt von bestimmten Stoffen in mehrere Gruppen ein. 1) Die indifferenten Heilquellen, Wildbäder oder Akratothermen besitzen keine hervorstechenden chem. Bestandteile, liefern ein sehr salzarmes, fast chemisch reines Wasser und wirken hauptsächlich durch ihre hohe Temperatur; warme oder heiße Akratothermen sind Gastein, Pfäfers und Ragaz, Warmbrunn, Wildbad, Teplitz, Plombieres en besitzen als vorwaltenden Bestandteil Chlornatrium (Kochsalz) und andere Chloride; warme Kochsalzquellen sind Wiesbaden und Baden-Baden, kalte Kissingen (besonders stark die Rakoczyquelle), Homburg und Soden. An Kochsalz sehr reiche Quellen werden Solen genannt; zu diesen gehören Ischl, Reichenhall, Wittekind, Kösen, Sulza, Hall in Württemberg; Hynhausen und Nauheim liefern ein an Kohlensäure reiches Wasser von Badetemperatur. 3) Jod⸗ und bromhaltige WMä sser finden sich 13 Adelheidsquelle, Krankenheil, Kreuznach, Hall in Oberösterreich, Elmen in der Provinz Sachsen. 4) Säuerlinge sind ausgezeichnet durch einen starken Gehalt an Kohlensäure, enthalten aber daneben gewöhnlich noch kohlensaures Natron oder Kochsalz: Selters, Gleichenberg, Bilin, Gießhübl, Neuenahr, Geilnau, Fachingen, Vichy (mit sehr viel doppeltkohlensaurem Natron), Ems, Obersalzbrunn. 5) Bitter-⸗ wässer (Seidschütz, Seidlitz, Püllna, Ofen und Magnesia (Bittersalz). 6) Glaubersalzwässer sind ausgezeichnet durch einen hohen Gehalt von schwefelsaurem Natron (Glaubersalz), so Marienbad, Bertrich, Rohitsch, die Salzquelle von Franzensbad, die Elstersalzquelle und Karlsbad, die einzige Therme dieser Gattung. 7) Schwefel- oder Schwefelwasserstoffquellen enthalten Schwefelwasserstoff und lösliche Schwefelmetalle. Warme Schwefelwässer finden sich in Aachen, Baden bei Wien, Baden in der Schweiz und Landeck; kalte zu Nenndorf, Eilsen und Weilbach. 8) Eisenwässer enthalten viel doppeltkohlensaures Eisenoxydul, so Pyrmont, Driburg, Spaa, Steben. Zugich viel Salz führen Elster, die Karolinen⸗ und Ambrosiusquelle in Marienbad. Eisensäuerlinge sind die Franzens⸗, Salz⸗ und Wiesenquelle in Franzensbad und die Trink⸗, Albert⸗ und Salzaquelle in Elster. Die auffälligen Erscheinungen der Mineralwässer Rem schon in früher Zeit Anlaß zu ihrer mediz. erwendung gegeben (Gesundbrunnen, Heilguellen), aber erst in neuerer Zeit (seit Friedr. Hoffmann) hat man sie mit dem Fortschreiten der chem. Kenntnisse und der mediz. Enahmügen systematisch zu verwenden gelernt. Einzelne der Mineralwässer dienen bloß 5 Baden (z. B. die indifferenten Wässer, Kochsalzquellen), andere vorzugsweise zum Trinken (Bitter⸗ und Glaubersalzwässer); vielfach werden sie aber auch in beiderlei Form angewendet. Die viele Gase (Stickstoff, Schwefelwasserstoff) liefernden Wässer benutzt man auch zu Inhalationskuren, bei welchen man die Kranken die Gase atmen läßt, und in neuester Zeit hat man, zuerst in Frankreich, angefangen, vermischte, zu einem feinen Nebel zerschlagene (zerstäubte, pulverisierteh Wässer auf die Atmungsorgane einwirken zu lassen. Die therapeutischen Zwecke, zu welchen man sich der M. bedient, sind höchst mannichfaltig. Doch wendet man bei bestimmten Krankheiten meist nur bestimmte Quellen an, so gegen Unterleibs- und Leberkrankheiten Quellen wie Karlsbad und Vichy, gegen Skrofulose u. dgl. die Kochsalz⸗ und Solquellen, gegen veraltete Syphilis die iod⸗ und bromhaltigen Wässer, gegen Blutarmut u. dgl. die Eisenwässer u. s. w. Mineralwässer, welche sich nicht, wie die Eisenwässer, durch Aufbewahrung wesentlich verändern, werden auch versendet (Versandwässer); doch ist dies nur der Fall bei den zum Trinken benutzten Quellen. Um die Mineralwässer an von der Quelle entfernten Orten herstellen zu können, hat man die Eindampfung der Wässer erfunden, und man verschickt so den Salzrückstand (Mutterlaugensalz) der Quellen, wo dieser als der wirksame Bestandteil betrachtet wird (z. B. Kreuznach). Seit etwa 1820 hat man (und zwar zuerst Struve in Dresden) begonnen, die Mineralwässer nachzuahmen, indem man sie künstlich aus ihren wichtigsten Bestandteilen zusammensetzt (künstliches Mineralwasser). Oft erreicht man mit diesen künstlichen Mineralwässern denselben Erfolg wie durch den Gebrauch der natürlichen. Neuerdings werden in den Mineralwasserfabriken vielfach auch solche künstliche Mineralwässer hergestellt, welche in der Natur nicht vorkommen (wie das pyrophosphorsaure und kohlensaure Eisenwasser, das Lithion⸗, Jod⸗ und Ammonwasser, das kohlensaure Magnesiawasser u. a.) und als wesentliche Bereicherungen des Heilschatzes zu betrachten sind. (S. Balneographie.) Vgl. Lachapelle und Glover, «Handbuch der Fabrikation gashaltiger Getränker (aus dem Französischen, Berl. 1869); Schultze, Lehrbuch der abrikation von Mineralwässerno (Berl. 1870); ager, 4Vollständige Anleitung zur Fabrikation unstlicher Mineralwässer » (2. Aufl., Bresl. 1870); B. Hirsch, «Die Fabrikation der künstlichen Mineralwässery (2. Aufl., Braunschw. 1876).