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GeschichteBrockhaus 1882

Mithridates (grch., besser Mithradates) ist der Name mehrerer Könige von Pontus (s. d.), unter denen Mithridates VI. Eupator, oder der Große, der berühmteste ist. Um 132 v. Chr. geboren, zu Sinope, der Hauptstadt des Reichs, erzogen, folgte er 120 seinem Vater, M. V., zuerst unter Vormundschaft, bis er einige Jahre später (etwa 114 v. Chr.) die Regierung selbst übernahm. Zuerst unterwarf er Kleinarmenien und Kolchis, dann die Völker, die vom Kaukasus bis gegen Thrazien hin auf der Ost- und Nordseite des Schwarzen Meers wohnten, und auch die an dessen Küsten gelegenen griech. Kolonien fügten sich der Herrschaft des mächtigen Königs, der sie begünstigte. So bildete er neben seinem angestammten Reiche ein zweites, das nach dem Namen des Kimmerischen Bosporus, an welchem Pantikapäon und Phanagoria lagen, das Bosporanische Reich genannt wird. Hierauf wendete er sich gegen Süden und Westen und eroberte 103 einen Teil Paphlagoniens und Kappadociens, dessen minderjährigen König, seiner Schwester Sohn, er 100 ermordete; doch gab er beides auf Verlangen der Römer 93 wieder frei, gab auch 92 nochmals Kappadocien auf, das sein Eidam Tigranes II. von Großarmenien besetzt hatte. Obwohl M. nicht Krieg gegen die Römer führen wollte, zwang ihn doch bald nachher Manius Aquillius zum Kampf. Nun eroberte M. 88 v. Chr. Kappadocien, Bithynien und Phrygien und auch das röm. Kleinasien. Nur Magnesia am Mäander blieb den Römern erhalten; in den übrigen Städten mit vereinzelten Ausnahmen wurden auf des M. Anordnung alle Römer und Italiker, nach einer Angabe 80000, nach einer andern 150 000 an der Zahl, ermordet. Auch der Inseln des Agäischen Meers bemächtigte er sich, bis auf Rhodus, das seiner Belagerung widerstand, durch seinen Feldherrn Archelaus, den er, während er selbst in Pergamum verweilte, nach Griechenland sendete. (Erster Mithridatischer Krieg.) Zuerst traten jetzt die Athener auf die Seite des M., und als die Freiheit Griechenlands erklärt war, schlos sen sich die Böotier, Achäer und Spartaner an M. an. Da erschien Sulla 87 vor Athen und nahm 86 die Stadt im Sturm. Archelaus hielt sich noch in Piräus, zog dann aber nach Böotien, wohin ihn der von M. mit einem neuen Heere auf dem Wege durch Thessalien gesandte Taxiles rief, und unterlag hier bei Chäronea; ebenso 85, nachdem Dorylaus, von M. gesendet, mit einem neuen Heere zu ihm gestoßen war, in einer zweiten Schlacht bei Orchomenos. Nun entschied sich M., von dem Marianer Fimbria aus Pergamum vertrieben, für den Frieden, der, nachdem Sulla nach Asien übergesetzt war, zu Dardanus 84 zu Stande kam. Alle in Asien gemachten Eroberungen mußte M. aufgeben und an Sulla 3000 Talente zahlen und 80 Kriegsschiffe ihm überlassen. Der Legat Licinius Murena, den Sulla mit den Legionen des Fimbria zurückließ, begann 83 angeblich wegen eines von M. nicht herausgegebenen Teils von Kappadocien den Krieg von neuem, wurde aber, als er bis Sinope vorgedrungen, zurückgeschlagen, worauf ein anderer Legat, den Sulla schickte, 81 den Frieden wiederherstellte. (Zweiter Mithridatischer Krieg.) Nach Sullas Tode rüstete sich M. wieder zum Kriege, im Bunde mit Tigranes. Dieser brach 76 in Kappadocien ein, M. 74 in Bithynien, das die Römer nach dem Tode Nikomedes' III. in Anspruch nahmen. M. hatte sich mit Sertorius in Verbindung gesetzt und von diesem gegen Unterstützung an Geld und Schiffen röm. Offiziere von der Partei des Marius erhalten. Zur Führung dieses dritten Mithridatischen Kriegs wurden von Rom die Konsuln Marcus Aurelius Cotta und Lucius Licinius Lucullus abgesendet. Der letztere rettete nicht nurseinen Amtsgenossen aus der Bedrängnis, in die ihn M. gleich zu Anfang bei Chalcedon gebracht hatte, sondern trieb auch den König 73 und 72 nach Pontus zurück und nötigte ihn zur Flucht zu Tigranes. Auch schlug er, nachdem er dann ganz Pontus erobert hatte, den Tigranes 69 bei Tigranocerta; doch konnte er, da seine Legionen ihm den Gehorsam verweigerten, M. an der Wiedereroberung von Pontus 67 nicht verhindern. Manius Acilius Glabrio, der zum Nachfolger des Lucullus von Rom geschickt worden war, blieb unthätig. Gnäus Pompejus aber, durch das Gesetz des Manilius mit unbegrenzter Vollmacht ausgerüstet, vollendete seit 66 das Werk des Lucullus. M. wurde von ihm am Lykos in Pontus besiegt und flüchtete, während Pompejus am Orte des Siegs die Stadt Nikopolis gründete und Tigranes zum Frieden nötigte, in sein Bosporanisches Reich. Seinen Sohn Machares, dem er das Bosporanische Reich anvertraut und der sich mit den Römern gegen ihn verbündet hatte, zwang er, sich selbst zu töten 65 v. Chr. Aber auch sein Reblingssohn Pharnaces sann Verrat gegen ihn, und da M. infolge des allgemeinen Abfalls sich aller Macht beraubt sah, so nahm er 63 Gift und ließ sich, als dieses nicht rasch genug wirkte, von einem Söldner töten. Seine Leiche lieferte der Sohn an Pompejus aus und wurde nun als bosporanischer König anerkannt. In der griech. Bildung, die schon seit lange an den Höfen der vorderasiat. Könige eingebürgert war, auferzogen, war M. ein Freund der Künste und Wissenschaften. Seine kostbare Gemmensammlung wurde von Pompejus auf dem Capitol aufgestellt. Die Sprachen der 22 Völkerschaften, die M. unterworfen waren, verstand und sprach er. Gegen die Wirkung von Giften hatte er sich durch Gewöhnung und durch die Angewöhnung von Gegengiften, von denen eins nach ihm (s. Mithridat) benannt wurde, gesichert; schriftliche Aufzeichnungen des M. über Gifte und Gegengifte ließ Pompeius durch seinen Freigelassenen Lenäus übersetzen. Die Geschichte des Mithridatischen Kriegs bildet einen Teil von Appians großem Werk.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 772Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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