FeedMönchsschrift
ReligionBrockhaus 1882

Mönchsschrift, Gotische Schrift, oder, wie sie in der diplomatischen Schrifttechnik am treffendsten genannt wird, «eckige Minuskelv, ist die Benennung derjenigen Schriftgattung, mit welcher die Urkunden und Handschriften des spätern Mittelalters, etwa vom 12. bis 16. Jahrh., geschrieben sind. Sie ist aus der röm. Schrift entstanden und hatte unter den Händen der Mönche eine mehr eckige und winkelreiche Gestalt und in den Kapitalbuchstaben eine immer größere Verschnörkelung angenommen. In den Missaltypen haben die gemeinen Buchstaben eine gitterförmige Gestalt angenommen und wurden in dieser Weise auch mittels Patronen hergestellt. In den ersten Drucken Gutenbergs und Schöffers ist dieser Typus beibehalten. Nachdem aber die Buchdrucker durch den Druck der Ablaßbriefe von 1454 und 1455 genötigt waren, kleine Buchstaben in Handschriftcharakter herzustellen, fing man auch die Bibeln mit einer kleinen gerundeten Type zu drucken an. Bald jedoch wurde diese von der röm. Antiquatype in Italien und Frankreich, in Deutschland durch die Schwabacher und zu Anfang des 16. Jahrh. durch die der kaiserl. Kanzleischrift nachgebildete Frakturschriftverdrängt; am längsten erhielt sie sich in Holland, von wo sie als Black letter nach England kam. Um die Mitte des 19. Jahrh. wurde diese Black letter, von deutschen Schriftschneidern modernisiert, eine beliebte Zierschrift in Deutschland, welche bis auf die Gegenwart vielfach variiert wurde. In der jüngsten Zeit hat man sogar zur Schöfferschen Psalterschrift wieder zurückgegriffen und druckt Bücher im Stile des 15. Jahrh.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 817Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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