Montecuccoli (Montecuculi, Raimund, Graf), deutscher Reichsfürst und Herzog von Melfi, einer der ausgezeichnetsten österr. Feldherren, geb. auf dem Schlosse Montecuccoli im Modenesischen 1608, trat 1627 ins Regiment Collalto und that sich unter seinem Oheim, Ernst Graf von M., im Laufe des Dreißigjährigen Kriegs vielfach hervor. Als Rittmeister focht er in der Schlacht bei Breitenfeld 7. Sept. 1631, wo er verwundet und beim Rückzug gefangen wurde. Im J. 1632 trat er als tajor von neuem in kaiserl. Dienst, wurde 1633 Oberstlieutenant, nahm 1634 hervorragenden Anteil an dem Siege bei Nördlingen und 17. Juli 1635 an dem Sturme auf Kaiserslautern. Dies brachte ihm die Ernennung zum Obersten eines Kürassierregiments. M. überfiel 1636 den schwed. General Wrangel bei Wolmirstädt und zeichnete sich in der Schlacht bei Wittstock aus, 1637 kämpfte er in Pommern. In Böhmen wurde er 1639 von Baner bei Melnik geschlagen, verwundet und beim Rückzug abermals gefangen. Während seiner 2½ jährigen Gefangenschaft in Stettin beschäftigte er sich mit milit. Studien, trat 1642 wieder bei der kaiserl. Armee in Schlesien ein, schlug bei Troppau ein feindliches Korps und nahm Brieg. Er wurde zum Generalfeldwachtmeister ernannt und trat 1643 an die Spitze der Truppen des Herzogs von Modena, der ihm den Titel eines Feldmarschalls verlieh. Sehr bald kehrte er indes nach Osterreich zurück und wurde 1644 vom Kaiser zum Feldmarschalllieutenant und Hofkriegsrat ernannt. Im J. 1645 unterstützte er mit seinem Korps den Erzherzog Leopold gegen den Fürsten Rakoczy von Siebenbürgen; dann operierte er gegen den Marschall Turenne. Im J. 1646 kämpfte er gegen die Schweden in Schlesien und Böhmen. Im Juli 1647 deckte M. den Rückzug Ferdinands III. von Eger, hatte den Hauptanteil an dem Siege über Wrangel bei Triebel in Schlesien und wurde dafür zum General der Kavallerie ernannt. Von 1651 ab nahm M. wieder teil an den Verhandlungen des Hofkriegsrats, wurde 1653 Stellvertreter des obersten Kriegsrats in Regensburg und fand 1654 Verwendung zu diplomatischen Sendungen, unter anderm nach Schweden an den Hof der Königin Christine und nach London zu Cromwell; 1657, als der Kaiser dem poln. Könige Johann Kasimir gegen Rakoczy und die Schweden unter Hatzfeld ein Korps zur Hilfe sandte, erhielt M. nach Hatzfelds Entfernung den Befehl über dasselbe und eroberte Pommern, Schleswig, Holstein, Jütland und Alsen nebst Femern, wofür er 1658 zum Feldmarschall ernannt wurde. Nach dem Frieden zu Oliva 1660, der diesen Krieg endete, wurde M. Geheimrat und Gouverneur von Raab. Noch in demselben Jahre mußte er den Befehl über das Heer übernehmen, das der Kaiser nach Siebenbürgen gegen die Türken entsandte. Drei Jahre lang waren die Erfolge gering; 1663 legte M. den Oberbefehl nieder, doch wurde er 1664 wieder an die Spitze des Heers gestellt und erfocht (1. Aug. 1664) bei der Abtei St. Gotthard den ersten entscheidenden Sieg, dessen Folge ein Waffenstillstand auf 20 Jahre war. Nach dem Frieden übernahm M. 1668 die Leitung des Hofkriegsrats und der Artillerie. Beim Ausbruch des Kriegs zwischen Frankreich und Holland, an dem der Kaiser und das Reich als Bundesgenossen Hollands sich beteiligten, übernahm M. 1672 den Oberbefehl der kaiserl. Armee. Er eroberte Bonn, bewirkte trotz der Wachsamkeit Turennes die Vereinigung seines Heers mit dem des. Prinzen von Oranien und hemmte auf diese Weise Ludwigs XIV. Fortschritte. Zwar legte er nach Ernennung des Kurfürsten von Brandenburg zum General der kaiserl. Armee 1674 sein Kommando nieder; doch schon 1675 wurde er wieder zu demselben berufen, um am Rhein Turenne die Spitze zu bieten. Beide manövrierten hier vier Monate lang gegeneinander um den Besitz Straßburgs. Als endlich eine Schlacht entscheiden sollte, tötete 27. Juli 1675 eine Kanonenkugel bei Saßbach den franz. Feldherrn. M. verfolgte die sich zurückziehenden Franzosen bis nach dem Elsaß und belagerte Hagenau und Zabern; doch durch Condés Erscheinen sah er sich genötigt, das Elsaß wieder zu verlassen, und belagerte nun Philippsburg, seine letzte Kriegsthat. Kaiser Ferdinand III. erhob ihn 1651 zum deutschen Reichsfürsten und der König von Neapel verlieh ihm das Herzogtum Melfi. Als er wegen der Pest den Kaiser nach Linz begleitete, wurde er beim Einreiten in das Schloß durch einen herabfallenden Balken verwundet und starb zu Linz infolge dieser Verwundung 16. Okt. 1680. Er hinterließ einen reichen Schatz milit. Schriften, die sich im k. k. Kriegsarchiv zu Wien befinden. Die Opere complete di M.o erschienen in zwei Bänden (Mail. 1807 und Turin 1821). Einekritische Ausgabe von M.s «Memorie della guerra ed istruzioni d'un generaler (Vened. 1703) sind die CCommentaires sur les Mémoires de M. par Turpin Crissé (Paris 1769; deutsch Lpz. 1778). M.s Hauptwerk sind die KCommentarii bellici cum puncto artis bellicae systemate (Wien 1718; auch in deutscher, franz. und ital. Übersetzung). Vgl. Campori, Raimondo M., la sua famiglia e suoi tempio (Flor. 1877); Pezzl, Lebensgeschichte M.so (Wien 1792).