FeedMontefidre (Sir Moses)
GeschichteBrockhaus 1882

Montefidre (Sir Moses), bekannt durch die erfolgreiche Vertretung seiner israel. Glaubensgenossen besonders im Orient, ward 24. Okt. 1784 zu London geboren und trat durch seine Verheiratung in verwandtschaftliche Beziehungen zu der Familie Rothschild. Im J. 1837 erfolgte M.s Wahl zum Sheriff der City von London, worauf die Königin ihn bei Gelegenheit ihres ersten Besuchs in der City in den Ritterstand erhob. Auf die Kunde von den Verwüstungen, welche ein Erdbeben um diese Zeit in Safed und Tiberias angerichtet, reiste M. nach dem Gelobten Lande und gewährte dort reiche Unterstützungen. Als einige Jahre später die Juden, der Ermordung eines Franziskaners in Damascus beschuldigt, von den türk. Behörden Verfolgungen erlitten, reiste M. 1840 in Begleitung von Crémieux aus Paris nach Damascus, Alexandria und Konstantinopel, um bei Mehemed-Ali, dem Eroberer von Syrien, und bei dem Sultan, dem diese Provinz kurz darauf wieder unterworfen ward, die Verteidigung der Juden zu führen. Ein in Konstantinopel erlangter Ferman untersagte für die Zukunft derartige Anlagen. Aus Anlaß der strengen Ukase, welche in Rußland 1845 in Betreff der Juden ergangen waren, begab sich M. im Winter 1846 nach Petersburg und wußte hier den Kaiser Nikolaus zur Suspension der Ukase zu bewegen. Nach seiner Rückkehr ernannte die Königin ihn zum Baronet. Als 1854 die in Palästina ausgebrochene Hungersnot reiche Hilfsspenden in England veranlaßte, begab M. sich zur zweckmäßigen Verwendung der Gelder abermals an Ort und Stelle. Nachdem er sich bei dem Sultan die Ermächtigung zu Grunderwerbungen in Palästina ausgewirkt, baute er daselbst Armenhäuser und leitete gewerbliche Unternehmungen ein. Im J. 1866 ging M. zum sechsten mal nach Palästina, 1867 nach Bukarest und 1875 noch einmal nach Palästina. Sein 99. und sein 100. Geburtstag wurden von seinen Glaubensgenossen in England mit großer Feierlichkeit begangen. Vgl. Lucien Wolf, «Sir Moses M. A centennial biography (1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 839Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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