Moritz, Herzog und Kurfürst von Sachsen, geb. zu Freiberg 21. März 1521, der erstgeborene Sohn Herzog Heinrichs des Frommen und seiner Gemahlin, einer Tochter des Herzogs Magnus von Mecklenburg. Nachdem er 1539 in Torgau zur prot. Kirche übergetrsten, vermählte er sich 9. Jan. 1541 mit Agnes, der Tochter des Landgrafen Philipp von Hessen. Noch in demselben Jahre, 18. Aug., folgte er seinem Vater in der Regierung des Herzogtums Sachsen Albertinischer Linie. Obschon ein eifriger Anhänger der Reformation und Schwiegersohn eines der Häupter des Schmalkaldischen Bundes, war er doch nicht zu bewegen, dem Bunde beizutreten, sondern verharrte in einer selbständigen Stellung. Er stand mit seinem Vetter, dem Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen Ernestinischer Linie, in scheinbar gutem Vernehmen, bis ein Besitzstreit um Magdeburg und andere geistliche Stifter in Sachsen im Frühjahr 1542 einen Bruch herbeiführte. Hierauf zog der Herzog noch in demselben Jahre dem Kaiser mit einem Korps gegen die Türten in Ungarn und im folgenden Jahre gegen die Franzosen zu Hilfe, wodurch er sich dessen Gunst erwarb. Dennoch unterstützte er 1545 die beiden Häupter des Schmalkaldischen Bundes im Kampfe gegen den Herzog Heinrich von Braunschweig und lieferte den gefangen genommenen Herzog an den Landgrafen von Hessen aus. Als es aber 1546 zum offenen Kampfe zwischen dem Kaiser und dem Schmalkaldischen Bunde gekommen, entschied er sich nun ganz für den Kaiser, der ihm in einem geheimen Vertrage zu Regensburg 19. Juni 1546, unter der Bedingung kräftigen Beistandes, die Kurwürde und die Erbländer des Kurfürsten zusicherte. M. bemächtigte sich in kurzer Zeit fast des ganzen Kurfürstentums; doch mußte er dasselbe fast ebenso schnell dem ihm mit einer überlegenen Macht entgegentretenden Kurfürsten wieder einräumen. Ein Waffenstillstand, den der Kurfürst einging, war dessen Verderben. Hierdurch gewann der Kaiser Zeit, dem bedrängten Herzog zu Hilfe zu eilen. Die Schlacht bei Mühlberg, die Gefangennehmung des inzwischen geächteten Kurfürsten und die Kapitulation von Wittenberg 19. Mai 1547 führten M. ans Ziel seiner Wünsche. Am 1. Juli 1547 erteilte ihm der Kaiser die Kurwürde und belehnte ihn mit einem großen Teile der Ernestinischen Erblande. Ungeachtet dieser Gunstbezeigungen erkannte der neue Kurfürst sehr wohl, wie der Kaiser jetzt um so sicherer seinen Plan verfolgen zu können meinte, sich zum unbeschränkten Herrscher Deutschlands zu machen. Da er einsah, daß nur durch offene Gewalt der Macht des Kaisers die nötige Schranke gesetzt werden könnte, so begann er seit 1550 unter dem Schein, die ihm vom Kaiser übertragene Vollziehung der Reichsacht gegen die Stadt Magdeburg auszuführen, zu rüsten; auch schloß er insgeheim 5. Okt. 1551 zu Friedewald mit dem König Heinrich II. von Frankreich ein Bündnis gegen den Kaiser, sowie bereits im Mai desselben Jahres zu Torgau mit Johann von Brandenburg-Küstrin, Johann Albrecht von Mecklenburg und Wilhelm von Hessen einen Bund zum Schutze des Augsburgischen Bekenntnisses. Im Frühjahr 1552 zog er dann in Eilmärschen so schnell nach Innsbruck, daß er den hier am Podagra danieder liegenden Kaiser beinahe .gefangen genommen hätte. Der Kaiser gab nicht nur den Landgrafen und den Kurfürsten von Sachsen sogleich frei, sondern trat auch mit M. in Unterhandlungen, die zum Frieden führten und den Vertrag zu Passau 22. Aug. 1552 zur Folge hatten. 87²2 Moritz (Prinz von Oranien) M. nahm dann an einem Feldzuge gegen die Türken in Ungarn teil, die er mehrmals schlug, und kehrte hierauf nach Sachsen zurück, wo er nun dem Bündnisse gegen den Markgrafen Albrecht von Brandenburg beitrat, der, den Passauer Vertrag nicht anerkennend, den Krieg auf eigene Faust fortsetzte. Bei Sievershausen 9. Juli 1553 wurde der Markgraf zwar gänzlich geschlagen, aber M. durch einen Schuß in den Unterleib so schwer verwundet, daß er 11. Juli starb; er wurde im Dom zu Freiberg beerdigt, wo ihm auch ein prachtvolles Denkmal gesetzt worden ist. Sein Land hat ihm viel zu verdanken. Er befestigte Dresden, Leipzig und Pirna, verbesserte die Heeresverfassung, unterstützte den Bergbau und das Hüttenwesen und erwarb sich große Verdienste durch die Begründung der drei Fürstenschulen und die Stiftung mehrerer Institute bei der Universität zu Leipzig. In der Regierung folgte ihm sein Bruder August (s. d.). Seine Witwe heiratete 1555 den Herzog Johann Friedrich den Mittlern, starb aber wenige Monate nachher; seine einzige ihn überlebende Tochter, Anna, wurde die Gemahlin Wilhelms J., Prinzen von Oranien. Vgl. Langenn, «M., Herzog und Kurfürst von Sachseno (2 Bde., Lpz. 1841); G. Voigt, M. von Sachsen 1541—475 (Lpz. 1876); H. Prutz, M. von Sachsen (im Neuen Plutarcho, Bd. 9, Lpz. 1882).