Thurn (Heinrich Matthias, Graf von), Haupt des böhm. Aufruhrs, der den Dreißigjährigen Krieg einleitete, geb. 1580, stammte von protestant. Eltern. Infolge seiner Tapferkeit gegen die Türken verlieh ihm Kaiser Rudolf II. das Burggrafentum der Feste Karlstein in Böhmen. Seine Mitwirkung an dem Erlaß des Majestätsbriefs erwarb ihm das Vertrauen seiner Glaubensgenossen, sodaß ihn die Stände zu einem der dreißig Defensores fidei wählten. Gereizt durch die Verletzungen des Majestätsbriefs unter Kaiser Matthias, durch die Bedrängnis, die über den Protestantismus hereinzubrechen drohte, und durch die ihm plötzlich widerfahrene Entziehung des Burggrafentums, gab er 23. Mai 1618 in Prag das Zeichen zum Aufstande der böhm. Protestanten. Als Feldherr des ständischen Heeres drang er im Juni und Nov. 1619 bis Wien vor, versäumte aber, durch raschen Angriff die Stadt zu nehmen, und mußte schließlich abziehen. Nach der Niederlage am Weißen Berge (8. Nov. 1620) floh er zu Bethlen Gabor nach Siebenbürgen. Später schloß er sich an Gustav Adolf an und nahm an den Schlachten bei Leipzig 1631 und bei Lützen 1632 teil; 1633 stand er an der Spitze eines kleines schwed. Korps in Schlesien, ließ sich mit Wallenstein in fruchtlose Unterhandlungen ein und wurde im Okt. 1633 bei Steinau a. O. von diesem zur Kapitulation genötigt. Seine bald danach erfolgte Freilassung überlebte er nur kurze Zeit. Vgl. Hallwich, «Heinrich Matthias T. als Zeuge im Prozeß Wallensteino (Lpz. 1883).