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GeschichteBrockhaus 1882

Moritz, Graf von Sachsen, bekannt unter dem Namen des Marschalls von Sachsen, ein ausgezeichneter Feldherr, war der natürliche Sohn des Königs von Polen und Kurfürsten von Sachsen, Augusts II. oder des Starken, und der Gräfin Maria Aurora von Königsmark. Er wurde zu Goslar 28. Okt. 1696 geboren und zeigte schon früh einen feurigen Geist und eine ungewöhnliche, vom Vater geerbte Stärke. Die ersten Waffen trug er 1709 in Flandern unter Eugen und Marlborough, deren Lob er sich in dem Feldzuge von 1710 erwarb. Im folgenden Jahre legitimierte ihn sein Vater unter dem Titel eines Grafen von Sachsen. Ob er an den Feldzügen 1712 gegen die Schweden teilgenommen, ist nicht gewiß, 1713 verlieh ihm aber der König ein Kürassierregiment und verheiratete ihn 1714 mit der Gräfin Löben. Die Ehe war jedoch nicht glücklich und wurde 1721 wieder getrennt. Vorher hatte M. 1715 in Pommern und 1716 in Polen, sowie 1717 unter Eugen vor Belgrad gekämpft, sein Regiment war aber dann abgedankt worden. Im J. 1720 ging er nach Frankreich, wurde hier zum Mareéchal-de-Camp ernannt und kaufte sich ein Regiment für 35000 Thlr. M. studierte nun Mathematik, Mechanik und Befestigungskunst, führte aber ein höchst verschwenderisches und zügelloses Leben. Abwechselnd war er auch am Hofe seines Vaters. Im J. 1726 wählten ihn die Stände von Kurland zu ihrem Fürsten, doch annullierte der poln. Reichstag die auf M. gefallene Wahl, worauf M. Kurland verließ und nach Frankreich zurückkehrte. Er lebte hier oder auf Reisen bis zum Kriege von 1733. Während einer Krankheit 1731 schrieb er in 13 schlaflosen Nächten sein berühmtes Werk «Réveries militaireso. Im Polnischen Erbfolgekriege wurde er dem Marschall Berwick zugeteilt und zeichnete sich mehrfach so aus, daß er 1734 zum Generallieutenant befordert wurde. Im Psterreichischen Erbfolgekriegenahm M. 26. Nov. 1741 Prag mit Sturm und 19. April 1742 Eger, und wurde 1744 zum Marschall von Frankreich ernannt. Er führte darauf in den Niederlanden den selbständigen Oberbefehl über einen Teil der Armee und wußte gegen die übermacht so geschickt zu manövrieren, daß er sie ohne entscheidende Schlacht im Schach hielt. Im Feldzuge von 1745 entschied er die Schlacht von Fontenay 11. Mai, wofür der König ihn mit Ehren überhäufte, ihm auch auf Lebenszeit das Schloß Chambord überließ. Viele Städte in den Niederlanden ergaben sich darauf; im Febr. 1746 eroberte M. Brüssel und kehrte dann nach Paris zurück. Der König verlieh ihm ein Naturalisationsdekret. Darauf nahm M. Antwerpen und Namur und gewann 11. Okt. den glänzenden Sieg bei Raucourt. Von den eroberten Kanonen erhielt er sechs zum Geschenk und den Titel Altesse Sérénissime, im Jan. 1747 aber die Ernennung zum Maréchal général des camps et des armées du Roy, wie einst Turenne. Der Sieg bei Laffeld und die Erstürmung von Bergen-op-Zoom, infolge deren er Oberbefehlshaber in den eroberten Niederlanden wurde, endlich die Einnahme von Mastricht 1748 krönten seine glorreiche Feldherrnlaufbahn. Nach dem Frieden von Aachen lebte er teils zu Chambord, teils auf Reisen. M. starb zu Chambord 30. Nov. 1750. Seine Leiche wurde in der neuen prot. Kirche zu St. Thomas in Straßburg beigesetzt, aber erst 1777, nachdem das großartige Denkmal durch Pigalle 1776 vollendet war. Später wurden seine Lettres et mémoiresv (Par. 1794) veröffentlicht; seine Réèveriese (beste Ausg., 2 Bde., 1757, deutsch von Fäsch, Lpz. 1757) sind voll kühner und neuer Ansichten in der Kriegswissenschaft, deren Richtigkeit die spätere Zeit bewährte (allgemeine Wehrpflicht; Bildung von aus allen Waffengattungen zusammengesetzten Legionen; leichte, weittragende Feldgeschütze; Hinterlader; Verbesserung des Infanteriefeuers; Ersatz des Brotes durch Zwieback, der Hüte durch Helme u. s. w.). Das Werk, von dem unter verschiedenen Titeln Auszüge erschienen sind, bildete lange das Hauptmittel militärwissenschaftlichen Unterrichts. M. Beziehungen zu der Schauspielerin Adrienne Lecouvreur hat Scribe in einem Drama behandelt. Vgl. K. von Weber, M., Graf von Sachsen, Marschall von Frankreich (Lpz. 1863); Taillandier, (Maurice de Saxer (Par. 1865). Vitztum von Eckstädt veröffentlichte Maurice comté de Saxe et Marie Josèphe de Saxe, Dauphine de France. Lettres et documents inéditso (Lpz. 1867).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 872Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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