Müller (Wilh. Konrad Herm.), verdienter Germanist, geb. 27. Mai 1812 zu Holzminden, studierte in Göttingen, war seit 1838 Accessist an der Universitätsbibliothek und Lehrer am Gymnasium zu Göttingen und habilitierte sich Ostern 1841 für deutsche Litteratur und Sprache. Im J. 1845 wurde er zum außerord. und 1856 zum ord. Professor befördert. Er veröffentlichte: »Versuch einer mytholog. Erklärung der Nibelungensage (Berl. 1841), 4Geschichte und System der altdeutschen Religiono (Gött. 1844), ein Werk, das in Bezug auf seinen wissenschaftlichen Standpunkt von dem J. Grimms vielfach abweicht und deshalb zu einer litterarischen Fehde mit letzterm Veranlassung bot; «über die Lieder von den Nibelungenv (Gött. 1845), in welcher Schrift er eine Vermittelung zwischen Lachmann und dessen Gegnern versuchte. Außerdem gab M. Fabeln und Minnelieder des Heinrich von Müglino (Gött. 1847) und in Gemeinschaft mit Schambach MRiedersächs. Sagen und Märchen⸗ (Gött. 1854) heraus. Das bedeutendste Verdienst hat sich jedoch M. durch seine Thätigkeit für das „Mittelhochdeutsche Wörterbucho erworben, von welchem er unter Benutzung des von Benecke hinterlassenen Materials den ersten (Lpz. 1854) und dritten Band (1861), sowie die zweite Abteilung des zweiten Bandes (1862—67) bearbeitete, während die erste Abteilung des zweiten Bandes von Zarncke verfaßt wurde.