Mumien heißen die besonders im alten Agypten durch Balsamieren (s. d.) vor Verwesung geschützten und erhaltenen organischen Körper, namentlich menschlicher Leichen. Der Name kommt von einem arabischen, vermutlich aus dem Persischen abgeleiteten Worte mümiya, welches vier Arten von Asphalt bezeichnet, namentlich die sog. Gräbermumie, d. hr die erdharzige Masse, mit welcher die in den alten ägypt. Gräbern erhaltenen Leichen teils umgeben, teils in der Kopf⸗, Bauch⸗ und Brusthöhle angefüllt sind. Im 16. bis 18. Jahrh. wurde diese Mumie vielfach verhandelt, da sie als ein vortreffliches Mittel gegen Wunden und Brüche galt. Die Kunst der Einbalsamierung wurde in Ägypten von den ältesten Zeiten an bis in die ersten nachchristl. Jahrhunderte geübt, doch sind die M. sehr verschieden nach der Zeit, dem Orte und dem Stande und Reichtume der Verstorbenen. Die älteste erhaltene M. besitzt das Museum von Bulag; es ist die des Königs Merenre (6. Dynastie, mindestens 2500 v. Chr.). Dieselbe Sammlung enthält auch die M. vieler anderer Könige, wie z. B. die der großen Eroberer Thutmosis III. und Ramses II. Die M. von Privatleuten sind in allen Museen in großer Anzahl erhalten. Trotz dieses reichen Materials fehlt es aber noch an einer genügenden Untersuchung der M., und man weiß über die verschiedenen Verfahren der Einbalsamierung fast nur das Wenige, was Herodot und Diodor berichten. Die M. haben jetzt teils eine gelbliche, teils eine dunkelbraune und selbst schwarze Farbe; einige spätere zeigen Vergoldung im Gesicht. Die ältern M. in Memphis sind schwarz und so ausgetrocknet, daß sie leicht zerbrechen; die Brusthöhle ist meist mit kleinen Amuletten aus Stein oder Thon angefüllt. In Theben dagegen sind die M. gelb und mattglänzend; die Nägel sind wie mit Hennah gefärbt; die linke Hand ist meist mit einem Ringe oder Scarabäus geschmückt. In späterer Zeit werden die Amulette den M. noch zahlreicher beigegeben, aber die Kunst der Einbalsamierung verfällt, indem die spätern mit Asphalt überfüllten M. eine schwarze unförmliche Masse bilden. Die M. liegen langgestreckt und halten die Hände meist an den Seiten oder über der Schoßgegend gekreuzt; sie sind in eine außerordentliche Menge von Binden aus Leinwand (und nicht etwa Baumwolle) gehüllt, mit jedem Gliede besonders; sie ruhen in steinernen Sarkophagen oder in hölzernen Särgen, die manchmal doppelt oder dreifach sind; in den großen Volksgräbern liegen sie uneingesargt auf dem trockenen und steinigen Boden oder sind im Sande verscharrt. Dem Einbalsamierungsverfahren liegt der Glaube an das Leben nach dem Tode zu Grunde, und aus noch erhaltenen altägypt. Ritualen lernt man die endlosen Ceremonien kennen, welche es begleiteten. — Außer menschlichen Körpern balsamierten die alten Agypter auch die Körper ihrer heiligen Tiere, Stiere, Wölfe, Katzen, Ibis, Sperber, Fledermäuse, Krokodile, mehrere Fischarten u. a. (Vgl. Pettigrew, (History of Egyptian mummiesdo, Lond. 1834.) Außer den alten Agyptern verstanden sich auch noch die Guanchen auf den Canarischen Inseln darauf, die Körper Verstorbener zu mumisieren, wahrscheinlich durch Trocknen in der Luft; diese M. hat man in Ziegenfelle eingenäht und übrigens gut erhalten gefunden. Ahnlich bereitete M. hat man in Mexiko gefunden, ebenso verstanden die alten Peruaner die Leichname unversehrt zu erhalten. Außer diesen künstlichen M. gibt es an verschiedenen Orten natürliche, indem eine scharfe, kalte Luft die Verwesung der Körper verhindert und sie nur langsam eintrocknen läßt. So in dem Kapuzinerkloster bei Palermo in Sicilien, in dem Kloster auf dem Großen St. Bernhard, im Bleikeller der Domkirche zu Bremen und anderwärts. Auf ähnliche Art entstehen shen Einbalsamierung die sog. weißen oder arabischen „M., wie man die Menschenkörper nennt, die in den Sandwüsten Arabiens und Afrikas lange eunter dem Sande liegen geblieben und durch die Sonnenstrahlen dermaßen ausgedörrt sind, daß sie unverweslich bleiben.