Sarkophag ist die spätere griech.⸗röm. Bezeichnung für einen Steinsarg zur Bestattung der nicht verbrannten Leichname, entnommen von der griech. Benennung einer am besten bei Assos in Mysien brechenden Kalksteinart, welche die hineingelegten Leichen schnell verzehrte, als ονοοαενο Me, d. i. fleischverzehrender Stein. Die Anwendung von Steinsärgen überhaupt finden wir schon in den Zeiten des sog. Alten Reichs in Agypten, wie z. B. der in der dritten Pyramide von Gizeh gefundene S. des Königs Mencheres (Mykerinos) zeigt, dann bei kleinasiat. Völkern, wie bei den Phöniziern und Lykiern. Bei den Etruskern waren sehr gebräuchlich S. aus Tuffstein, aus Alabaster oder aus gebranntem Thon mit Reliefs an der Vorderseite und den Figuren der Verstorbenen auf dem Deckel verziert. Die auf griech. Boden gefundenen S. zeichnen sich großenteils durch streng architektonischen Aufbau und Vortrefflichkeit des plastischen Schmucks aus. Bei den Römern finden sich S. aus Iahn ofeent und früher Kaiserzeit äußerst selten, da in diesen Epochen die Verbrennung durchweg üblich, das Begraben der Leichen nur von einzelnen vornehmen Geschlechtern, wie den Cornelii, beibehalten war (dorischer S. des L. Cornelius Scipio Barbatus, Konsul 298 v. Chr., im Vatikan). Seit dem 2. Jahrh. n. Chr. beginnt sodann das Begraben wieder in Aufnahme zu kommen: aus dieser Periode stammt die überwiegende Masse antiker S., von denen jede größere Altertumssammlung Exemylare aufweist. Das Material ist meist Marmor (Porphyrsarkophage, wie die der heil. Helena und der Konstantia, Gemahlin und Tochter Konstantins d. Gr., jetzt im Vatikan, sind wegen der schwierigen Bearbeitung des Materials ungemein kostbar; Thonsarkophage meist für arme Leute bestimmt und ganz schmucklos), die Form oblong, rechteckig oder mit abgerundeten Schmalseiten. Vorder⸗ und Schmalseiten sind meist mit Reliefs geschmückt, die entweder rein ornamental sind, oder Genrebilder (aus dem täglichen Leben: Geburt, Erziehung, Jagd, Krieg, Heirat, Tod: mytholog.: Eroten, Nereiden, bacchische Scenen), oder Scenen aus der Götter⸗ und Heroenmythe zum Gegenstand haben. Unter letztern bevorzugt man Sagen, die sich auf die Vergänglichkeit des Lebens, die Existenz nach dem Tode beziehen (Adonis, Endymion, Phaethon, Alkestis, Meleager), oder solche, die allgemein bekannt und beliebt waren (Medea, troischer und theban. Sagenkreis). Auch unter den römischen S. sind viele durch ihren Kunstwert hervorragende Stücke, bei der Aendonde freilich überwiegt das Interesse am Gegenstande der Darstellung. Vgl. Matz und Duhn, Antike Bildwerke in Romy (Bd. 2, Lpz. 1881). Eine vollständige Publikation der antiken S. wird im Auftrage des Deutschen Archäol. Instituts zu Rom vorbereitet. Auch die ältesten Christen behielten diese Sitte bei, nur daß sie anstatt Scenen der heidnischen Mythologie Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament zur Verzierung ihrer S. wählten. Auch in der mittelalterlichen und der neuern Kunst findet die Sarkophagform oft Anwendung (bedeutendste Sammlung im Lateranmuseum zu Rom).