FeedGrotesk
Bildende KunstBrockhaus 1882

Grotesk war ursprünglich die ital. Bezeichnung für Arabeske (s. d.), weil die ital. Renaissance ihre Motive für Flächenverzierung aus den unterirdischen Trümmern der antiken Thermen und Gräber (Grotten) schöpfte. Später übertrug sich diese Belben Are weil ein großer Teil der antiken figürichen Arabeskenwelt genrebildlich phantastisch ist, auch auf das derb Komische, sodaß burlesk 0 d.) und grotesk oft gleichbedeutend gebraucht werden. Diese Art Dekoration, in welcher, wie die umstehenden Abbildungen zeigen, besonders phantastische, aus Pflanzen hervorgehende oder in Pflanzen übergehende Tiere ein hauptsächliches Element sind, spielte in der Renaissance und dem ihr folgenden Stil der Barocke eine große Rolle, bis sie vor dem Rokoko für einige Zeit verschwindet. Man findet sie in verschiedenen Zweigen der Kunst, am meisten freilich in der Wand⸗ und Plafonddekoration. Ein besonderes, in dieser Weise verziertes Genre der Majoliken von Urbino im 16. Jahrh. hat von ihr den Namen. Noch die Dekorationen von Berain und Watteau unter Ludwig XIV. und Ludwig XV. gehören dem Stil der Grotesken an.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 543Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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