Saccharifikation, Verzuckerung, heißt der Umwandlungsprozeß, welchen das Stärkemehl unter dem Einfluß von Diastase oder verdünnten Säuren erleidet, wobei dasselbe in Maltose und Dextrin oder in Dextrose zerspalten wird. accharimetrie (griech.), d. i. Zuckermessung, nennt man die Bestimmung des Gehalts einer festen Substanz oder einer Flüssigkeit an irgend einer Zuckerart. Besonders wichtig für die Praxis ist die Bestimmung des Rohrzuckergehalts im Safte der Runkelrüben, des Zuckerrohrs, des Aitg rad des Rohzuckers, der Füllmassen, der Dünnsäfte und der Melasse. Man kann sich dabei der Methoden be— Figur zeigt, im wesentlichen aus einem auf dem estell K lie⸗ 7 nen geschwärzten Rohr m, welches an beiden Enden je ein Nicolsches Kalkspatprisma 8 und trägt. Das dem Auge zunächst liegende Prisma dreht man so lange, bis das Saccharimeter. Licht einer hellen Flamme, nach welcher man visiert, verschwindet, d. h. bis die Polarisationsebenen beider Prismen senkrecht aufeinander stehen. Dann gießt man in das Rohr durch eine seitliche offnung die zu untersuchende Zuckerlösung. Es wird nun beim Hindurchblicken das Gesichtsfeld nicht mehr dunkel, sondern in irgend einer Farbennuance des prismatischen Spektrums gefärbt erscheinen. Dreht man jetzt beim Hindurchblicken das mit einem Zeiger und einer Kreisteilung versehene Okularprisma bei Rohrzuckerlösung rechts herum, so erscheinen nach und nach alle Spektralfarben in der Ordnung, wenn man vom Rot anfängt, durch Orange, Gelb, Grün, Blau, Violett, und so bei jeder vollen Umdrehung wieder von neuem. Der Farbenwechsel zeigt sich besonders auffallend bei dem Purpur, welches beim Übergange des Violett in das Rot entsteht. Man hat diese Farbe die übergangsfarbe (teinte de passage) genannt und bezieht auf diese in der Regel die Angabe des Ablenkungswinkels. Die Richtung der Drehung oder Ablenkung hängt ab von der Natur des Zuckers. Rohrzucker (Saccharose), Traubenzucker (Dextrose), Maltose und Milchzucker drehen die Polarisationsebene rechts herum, Fruchtzucker dagegen links. Die Stärke der Ablenkung hängt von der Stärke der Zuckerlösung und der Länge der Flüssigkeitssäule ab. Bei gleicher Länge der letztern wird man das Okularprisma um so weiter drehen müssen, damit man die Ubergangsfarbe erhält, je mehr Zucker in der Lösung befindlich ist. Aus der Größe der Drehung läßt sich dann die Stärke des Zuckergehalts berechnen. Bei dem am meisten gebrauchten Saccharimeter von Soleil dient zur Hervorbringung der liberbei im 1 bei parallel fixiertem Nicol-Prisma eine ei r im Polarisator befindliche doppelte Quarzplatte, von welcher die eine rechts, die andere links drehend ist. Die Farbenänderung wird jedoch hier nicht durch Drehung des Analiseurs oder Polariskopes T der Komue⸗ sondern durch einen Ausleicher oder Kompensator e, welcher aus zwei enkrecht zur Achse geschliffenen Keilplatten von Bergkrystallen besteht. Der eine dieser Keile dreht die Polarisationsebene rechts, der andere links, sodaß sich durch ihre gegenseitige Verschiebung mittels des Triebes b die rechts vorhandene Wirkung der Zuckerlösung ausgleichen läßt. Um den Schwierigkeiten bei der Beurteilung der Farben zu entgehen, haben Laurent u. a. m. in neuerer Zeit Halbschattensaccharimeter konstruiert, bei welchen die leichter zu beurteilende gleiche Beschattung der beiden Hälften des Gesichtsfeldes statt jener gleichen Farbentöne herzustellen ist. Saccharimeter zur Bestimmung des Zuckers im Urin heißen Diabetometer. Vgl. Frühling und Schulz, «Anleitung zur Untersuchung der Produkte der Zuckerindustrier (2. Aufl., Braunschw., 1881); Stammer, «Wegweiser in der Zuckerfabrikationd (Braunschw. 1876; Ergänzung 1881). [tococcus.