FeedTraubenzucker
NaturlehreBrockhaus 1882

Traubenzucker, auch Dextrose, Glukose, Harnzucker, Krümelzucker, Stärkezucker, 66 HI2 O6, eine im Pflanzenreich sehr verbreitet vorkommende Zuckerart, findet sich, meist von Fruchtzucker (s. d.) begleitet, in allen süßen Früchten, auch im Honig, entsteht durch eine Spaltung von Rohrzucker durch Wirkung von Säuren oder unter dem Einfluß von Fermenten (s. Invertzucker), wird außerdem durch Einwirkung von Säuren auf andere Zuckerarten und sonstige Kohlehydrate gebildet und tritt in namhaften Mengen im Harn der Diabetiker auf. Der T. ist vielfach mit Maltose (s. d.) verwechselt, da beide Zuckerarten sich einander ungemein ähnlich sind, und es ist sehr wahrscheinlich, daß noch manche aus der Spaltung von Glukosiden (s. d.) hervorgehende Substanz, welche bislang für T. gehalten wird, sich bei genauerer Untersuchung als Maltose erweisen wird. Aus wässerigen Lösungen krystallisiert der T. in der Kälte in kleinen kugeligen Krystallaggregaten (Krümelzucker), sehr konzentrierte Lösungen erstarren beim Stehen nach einiger Zeit zu festen Massen (Blockzucker, Kistenzucker). In dieser Form hält er ein Molekül Krystallwasser gebunden. Erhält man die wässerige Lösung während der Krystallisation dauernd auf einer Temperatur von 40° C., oder läßt man aus starkem Weingeist oder Methylalkohol krystallisieren, so scheidet sich der T. in Form von kleinen ineinander verwachsenen Nadeln ohne Krystallwasser ab. Seine Lösungen lenken die Ebene des polarisierten Lichtstrahls nach rechts ab, daher sein Name Dextrose. Durch Hefe erleidet er weinige Gärung und wird in Alkohol und Kohlensäure verwandelt. Sein Geschmack ist weit weniger süß als der des Rohrzuckers. Der T. wird in großem Maße technisch dargestellt. Stärkemehl wird in Wasser, welches 1 bis 2 Proz. Schwefelsäure enthält, verteilt sund damit so lange gekocht, bis eine erkaltete Probe der Lösung weder durch Jodlösung gefärbt, noch beim Vermischen mit dem leichen Volum Alkohol eine Trübung erfährt. Die 0 keit enthält alsdann T., aber außerdem reichiche Mengen von Dextrin. Sie wird durch Zusatz von Kreide neutralisiert, zur Abscheidung des gebildeten Gipses durch eine ad im Baen getrieben, über Knochenkohle filtriert und im Vacuum bis zur Sirupskonsistenz(t Stärkesirup) verdampft. Nach dem Erkalten beginnt nach einiger Zeit die Krystallisation. Sobald dies eintritt, wird die Masse in offene Kisten gefüllt und erstarrt darin zu einer festen Masse. Dr dieser Form wird der T. meist in den Handel gebracht. Der T. des Handels enthält durchschnittlich nur ungefähr 66 Proz. reinen T., der Rest besteht aus Krystallwasser und Dextrin. Um denselben rein zu erhalten, wird, nach Soxhlet, die etwas weniger weit verdampfte Lösung in Krystallisationsgefäße gebracht, die in einem auf 40 C. geheizten Raume aufgestellt sind und bereits einige Krystalle von wasserfreiem T. enthalten. Hier scheidet sich der T. in reiner Form, wasserfrei, in deutlich ausgebildeten Krystallen ab und wird von dem anhaftenden Sirup durch Centrifugieren getrennt. Diese Darstellung des reinen T. wird in Amerika fabrikmäßig ausgeübt und es findet sich dort ein Produkt von höchster Reinheit im Handel. Der T. kommt im Handel in sechs Formen (drei festen und drei flüssigen) vor: 1) GekörnterZucker, dem Rübenrohzucker ähnlich, zu dessen Verfälschung er öfters dienen muß. 2) Fest er weißer Trauben- oder Capillärzucker, hart, weiß und porös, wie Melis, aber nicht wie dieser durchscheinend krystallinisch, sondern trbe, wird teils in Kisten, teils in Kuchen- und Hutform, teils geraspelt in Säcken verkauft. 3) Gewöhnlicher, fester Traubenzucker, eigentlich nichts anderes als durch mechanische Bearbeitung (Umrühren oder Peitschen) zum Erstarren gebrachter Stärkesirup und daher mit diesem gleichwertig, aber meist von len ringerm Dextringehalt, kommt entweder gemahlen oder in erstarrtem Zustand in kleinen Fässern oder auch in Kisten (Kisten⸗ oder Blockzucker) in den Handel und ist von seifenartigem Aussehen und von mehr oder weniger weicher Beschaffenheit. 4) Capillärsirup, ein wasserheller, sehr reiner, stark eingedickter Sirup, der in Tonnen zur Versendung gelangt. 5) Gewöhnlicher Stärkesirup, je nach seiner Bestimmung von gelber bis brauner Farbe und stark dextrinhaltig. 6)Dextrinsirup oder unwägbarer Sirup, so genannt, weil er so dickflüssig ist, daß das Saccharometer in ihm nicht einsinkt, er folglich nicht egewogend werden kann; enthält stets über die Hälfte seines Zuckergehalts Dextrin und wird häufig aus Malz hergestellt (Malzsirup), in welchem Fall er eigentlich keinen T., sondern Maltose (s. d.) neben Dextrin enthält. Die hauptsächlichste Verwendung findet der T., vorzüglich in den reinern und festern Formen, zum Gallisieren und Petiotisieren des Weins. Stärkesirup wird besonders zur Bierbrauerei und Branntweinbrennerei benutzt, namentlich wird für den erstgenannten Zweck sehr viel von demselben (meist Capillärsirup) nach England ausgeführt; ferner dient er zum Verfälschen des Honigs und des indischen Sirups, sowie als Ersatz des erstern in der Zuckerbäckerei und Lebküchlerei. Dextrinsirup benutzt man besonders in der Mostrich⸗ und Tabakfabrikation, außerdem zur Herstellung von Fruchtsirups und eingemachten Früchten. Auch für die Bonbonfabrikation hat der T. Bedeutung, da er hier das Krystallisieren der Masse verhindert. Große Mengen desselben werden endlich zur Herstellung von Zuckercouleur verbraucht. Der T. ist in den meisten Ländern der Besteuerung nicht unterworfen und daher viel wohlfeiler als Ro rzucker, aber auch weit weniger süß als dieser. Die Gewinnung desselben, welche sehr oft mit der Stärkefäbrikation verbunden ist, hat namentlich in neuester Zeit großen Aufschwung genommen. Am schwunghaftetten wird dieselbe in Deutschland und Frankreich betrieben; auch Österreich (Böhmen und Galizien), Holland und Rußland erzeugen große Mengen T.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 811Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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