FeedSaint-Denis
ErdkundeBrockhaus 1882

Saint-Denis, eine sehr alte Stadt, 7 km nordwärts von Paris, Hauptort eines Arrondissements des Seine-Departements, liegt am Kanal St.⸗ Denis, der die Verbindung mit der Seine herstellt, in welche hier die Croud mündet, Station der Linien Paris-Erquelines, Paris-Ermont-Creil und S.⸗Saint-Ouen der Nordbahn, zählt (1881) 40821 (als Gemeinde 43895) E., welche eine ansehnliche Fabrikindustrie und bedeutenden Handel unterhalten. Berühmt ist der Ort durch die von Dagobert I. gegründete Benediktinerabtei, deren Stiftskirche die Könige Frankreichs zu ihrer Begräbnisstätte wählten. Der Klosterabt Suger, der berühmte Staatsminister Ludwigs VII., ließ 1144 an der Stelle der ältesten Kirche eine prächtigere errichten, von welcher noch das Portal und die zwei Türme erhalten sind. Der übrige Teil des jetzigen Baues ward von Ludwig dem Heiligen und Philipp III. zwischen 1250 und 1281 hinzugefügt. Die Könige und Prinzen von Frankreich wurden hier in der unterirdischen Gruftkirche beigesetzt, wo sie ungestört ruhten, bis im Okt. 1793 der revolutionäre Fanatismus die Reste durchwühlte und hinauswarf. Die mißhandelte Kirche blieb vernachlässigt, bis Napoleon I. 1806 Befehl gab, daß sie ausgebessert und die Gruft der Bourbons zum Begräbnisplatz des neuen Regentenhauses eingerichtet werden solle. Seitdem und besonders nach der Julirevolution von 1830 hat die Kirche bedeutende Ausbesserungen, doch auch manche Verunstaltungen erfahren, gehört aber immer noch zu den rri.. Prohen got. Baukunst. Von allen Kostarkeiten und Merkwürdigkeiten des alten Kirchenschatzes hat sie gegenwärtig nur noch wenig aufzuweisen. Die Kleinodien wurden während der Revolution größtenteils verschleudert. Die Grabdenkmäler der Könige wurden dagegen nach Paris ebracht und daselbst im Musée des Monuments ranegis im ehemaligen kleinen Augustinerkloster (ietzt Eeole des Beaux-arts) aufbewahrt, bis Ludwig XṼIII. sie 1817 wieder nach S. Lamdalten und in der dortigen Gruftkirche an ihrem alten Platze aufstellen ließ. Besonders bemerkenswert sind die Gräber der Könige Dagobert, Ludwig XII. und seiner Gemahlin Anna von Bretagne (um 1530 von Jean Juste aus Tours 0 hnach Ph-S105 I. und seiner Gemahlin Claudia (nach Ph. Delormes Zeichnung von Pierre Bontemps u. a.) und Heinrich II. und seiner Gemahlin Katharina von Medici (das Hauptwerk Pilons). Anstatt des frühern Stifts besteht jetzt ein Domkapitel. In den alten geräumigen Abteigebäuden neben der Kirche befindet sich die von Napoleon I. 1801. gestiftete Erziehungsanstalt für Töchter von Rittern der Ehrenlegion (Maison impériale d'éducation de la Légion d'honneur), welche Ludwig XVIII. 1815 aus dem Schlosse Ecouen hierher verlegen ließ. Nördlich von S. liegen die beiden Forts de la Briche und Double Couronne du Nord, südöstlich das Fort de l'Est. Bei S. fand 10. Nov. 1567 eine unentschieden gebliebene Schacht zwischen den Hugenotten und den Katholiken unter dem Connétable von Montmoreney statt, in welcher letzterer tödlich verwundet wurde. Vgl. Madame d'Ayzac, 4Histoixe de l'abbaye de S.5 (2 Bde., Par. 1861).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 112Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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