FeedSaint-Etienne
ErdkundeBrockhaus 1882

Saint-Etienne, größte und volkreichste Stadt des franz. Depart. Loire, seit 1852 (tatt Montbrison) Hauptstadt desselben, in kahler, wenig fruchtbarer Gegend, am Flüßchen Furens, welches auf einer Strecke von 50 Km an 300 Hammerwerle, Mühlen u. s. w. treibt, Station der Linien Roanne-S.⸗Lyon, S. Le-Puy-Langege und S.⸗Montbrisen-Clermont-Ferrand der Paris-Lyon-Mittelmeerbahn, ist Mittelpunkt des bedeutendsten Steinkohlenbezirks und eine der namhaftesten Fabrikstädte Frankreichs. Im J. 1801 zählte sie erst 16 240, 1830 noch 33000, 1841 aber 46 000, 1851 schon 56 000, 1861 bereits 92250, 1881 endlich 111269 (als Gemeinde 123 813) E. S. hat zunächst eine großartige metallurgische Industrie; neben der Staatsfabrik für Feuerwaffen arbeiten sehr viel Zeugschmieden auf eigene Hand. Man fertigt außerdem Schlösser, Werkzeuge, Messer, Hausgeräte, ferner Bessemer- und Martinstahl, Panzerplatten, Eisenbahnschienen und Stahlräder, große Stahl⸗ und Eisenstöcke und Werkmaschinen, Nägel u. s. w. Auch die ausgedehnte Feilenfabrik ist berühmt. Noch bedeutender ist die Textilindustrie. Namentlich blüht die Bandfabrikation, welche in etwa 130 Fabriken mit 15000 Webstühlen gegen 28000 Arbeiter beschäftigt, jährlich 435000 Kg Seide verarbeitet und für 65 Mill. Frs. Waren liefert. Ferner bestehen Fabriken für Samt und Atlasschnuren, für Taft und andere Seidenwaren. Auch unterhält die Stadt Färbereien, Gerbereien, Hutmanufakturen, Töpfereien, Schleifmühlen u. s. w. Mit Einschluß der nächsten Umgebungen kann man 70000 Arbeiter rechnen, abgesehen von den 16 000 Arbeitern, die mit der Ausbeutung der großartigen Steinkohlengruben von Firming bis Rive-de-Gier auf 32 km Länge und 8 km Breite bei 35—40 m Mächtigkeit in 20 ergiebigen Lagern beschäftigt sind und jährlich 30—40 Mill. Ctr. Kohlen (für 40 Mill. Frs.) zu Tage fördern. Die Altstadt ist unregelmäßig gebaut, räucherig und finster; die neuern Stadtteile haben gerade, breite Straßen, große Plätze, deren schönster die Place Marengo, stattliche Gebäude und schöne Promenaden. Unter den Kirchen ist Notre-Dame im 17. Jahrh. im roman. Stil erbaut; jünger sind St.⸗Charles, die schöne got. Kirche St.⸗Roche und Ste.⸗Marie, im roman. Stil, mit reichem Skulpturenschmuck. Das Stadthaus trägt eine geschmackvolle Kuppel. Das Palais des Arts enthält ein Artilleriemuseum, eine Sammlung von Waffen, Modellen u. s. w. Bemerkenswert sind auch der Justizpalast, das Theater, die Börse und die Bergbauschule in dem alten Schloß Chante-Grillet mit reicher mineralog. und geolog. Sammlung. Außerdem hat die Stadt ein Lyceum, eine Gewerbeschule, ein Musée-Industriel, eine Naturaliensammlung, eine öffentliche Bibliothek und eine Taubstummenanstalt. Die Stadt ist der Sitz einer Ackerbau⸗ und einer Handelskammer, einer Filiale der Bank von Frankreich, sowie des Kommandos der 26. Armeedivision. S. wurde im 10. Jahrh. gegründet und erscheint schon in der frühesten Zeit als Gewerbestadt, sein gegenwärtiger Wohlstand datiert jedoch erst seit 1815. Es wurde 1444 von Karl VII. befestigt. Im Arrondissement S. sind unter den zahlreichen Fabrikorten bemerkenswert: das 7 kmeentfernte Dorf Saintean-Bonnefond (. d.), die Stadt Rive-deier (s. d.) und die Stadt Saint⸗-Chamond, am obern Gier, Station der Bahn Roanne-St.⸗ Etienne-Lyon der Paris-Lyon-Mittelmeerbahn, mit (1881) 14149 C., bedeutender Stabeisenfabrikation, großem Etablissement für Marine und Eisenbahnen, Seidenmoulinagen, Kesselschmieden, Fabriken von Kautschukgeweben, chem. Fabriken, Färbereien, Gerberei, Bänder⸗ und Schnurenfabriken. Fonversations-Lexikon. 13. Aufl. XIV.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 112Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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