Saint-Mauriece, Hauptstadt des gleichnamigen Bezirks (260 akm, 6616 C.) im schweiz. Kanton Wallis, liegt 417 m über dem Meere, 14 km nordwestlich von Martigny, auf dem linken Ufer des Rhone, in der engen Thalpforte des Wallis zwischen der Dent du Midi und der Dent de Morcles, an der Bahnlinie Brig-Sitten-Lausanne, von der hier die linksuferige Linie S.Bouveret (Genfersee) abzweigt, besitzt einige Festungswerke, ein altes Schloß, zwei Klöster, eine Pfarrkirche, ein Rathaus und eine 1482 erbaute mit einem Bogen den Rhöne überspannende Brücke und zählt (1880) 1631 E., meist kath. Konfession und franz. Zunge. S. ist das röm. Agaunum im Lande der Nantuaten und verdankt seinen jetzigen Namen der altberühmter Abtei S., die der Sage nach schon 360, sicherer ers 515 von dem burgund. König Sigismund gegründe und dem heil. Mauritius gewidmet wurde, der 30 mit der thebaischen 91. 2 unweit S. den Märtyrer tod erlitten haben soll. Vom 6. bis 10. hahid. ein der wichtigsten Kulturstätten in Westhelvetien und namentlich von den burgund. Königen begünstigt von denen Rudolf I., der Gründer des hochburgund Reichs, sich 888 hier krönen ließ, ist S. jetzt noch ein sehr angesehenes Kloster. Der Abt führt den Titel eines Grafen und Bischofs von Bethlehem und genießt bischöfl. Rechte; die Konventualen, welche auch die Hospize des Großen und Kleinen St.⸗Bernhard und des Simplon versehen, sind eDenet Chorherren des Augustinerordens. Die bemerkenswertesten Punkte in der Umgebung von S. sind die Felseneinsiedelei Notre-Dame du Sex und die Stalaktitenhöhle Grotte aux fées in der westlich über dem Städtchen aufsteigenden Felsenwand, das Dorf und Bad Lavey am rechten Rhöneufer und das 5 km südlich von S. gelegene Dorf Evionaz an der Stelle der 563 durch einen Schlammstrom zerstörten Stadt Epaunum, in welcher 517 ein großes Konzil abgehalten wurde.