Saint-Pierre (Jacques Henri Bernardin de), ausgezeichneter franz. Schriftsteller, geb. zu Havre 19. Jan. 1737, ging schon im 12. Jahre auf einem Schiffe seines Oheims nach Martinique, verließ aber nach zwei Jahren die Laufbahn als Seemann wieder. Er besuchte nun das Jesuitenkollegium zu Caen und trat, nachdem er 1757 seine klassischen Studien zu Rouen beendet, in die Ecole des ponts et des chaussées. Im J. 1760 wurde er als Ingenieur nach Düsseldorf gesendet, ging aber bald wieder nach Frankreich zurück. Nachdem er in Paris eine Zeit lang Privatunterricht in der Mathematik gegeben, suchte er sein Glück im Auslande und arbeitete zunächst in Amsterdam an einem Journal. Dann ging er nach Petersburg, wo ihm Katharina II. den Kapitänsrang verlieh und ihn als A enieur in Finland verwendete. S. verließ aber Roland 1766, um in Polen zu dienen, und kehrte, nachdem er Wien, Dresden und Berlin besucht, nach Frankreich zurück. Man gab ihm eine Ingenieurstelle auf Fele-de-France, aber er zerfiel bald mit den Behörden der Insel und begab sich 1771 wieder nach Paris. Nun beschloß er, sich ganz der Schriftstellerei zu widmen, und trat mit Rousseau in freundschaftliche Beziehungen. Zunächst veröffentlichte er die treffliche Voyage à Isle-de-France, à Isle-de-Bourbon, au Cap, etc.v (2 Bde., Par. 1773). Diesem Werke folgten die reizend geschriebenen Etudes de la naturev (5 Bde., Par. 1784), deren vierter Band sein Meisterwerk &Paul et Virginier (deutsch von Eitner, Hildburgh. 1866) enthielt, das sehr oft aufgelegt und abgedruckt worden ist. Hieran knüpfte sich der kleine Roman „La chaumière indiennes (Par. 1790) und «Le café de Suraten, beide eigentlich feine Satiren. Die Revolution, für die S. in seinen Voeux d'un solitaired (Par. 1789) und in der «Suite des Veux d'un solitaire v sich erklärte, zeigte sich günstig für ihn. Ludwig XVI. ernannte ihn zum Intendanten des botan. Gartens. Als diese Stelle einging, zog er sich nach Essonnes zurück. Im J. 1794 erhielt er die Professur der koral an der Normalschule; auch wurde er 1795 Mitglied des Instituts. Napoleon unterstützte und ehrte ihn, und dessen Bruder Joseph gab ihm eine ansehnliche Pension. Er starb auf seinem Landgute Eragny-sur-Oise 21. Jan. 1814. Als Stilist steht S. an Innigkeit des Ausdrucks und Zartheit der Färbung sehr hoch; er gehört zu den ersten Prosaikern Frankreichs. Nach seinem Tode gab Aimé Martin noch die Harmonies de la natures (3 Bde., Par. 1815) und die Voyage en Silésies heraus; dieser besorgte auch die beste Ausgabe seiner vollständigen Werke (12 Bde., Par. 1818—20), veröffentlichte einen Essai sur la vie et les ouvrages de S.v (Par. 1821) und „Mémoires et correspondance de S.v (4 Bde., Par. 1829). Vgl. Prévost-Paradol, Eloge de Bernardin de S.v (Par. 1852), und Sainte-Beuve, „Causeries du lundio (Bd. VY).