FeedSaldanha (Joäo Carlos, Herzog von)
GeschichteBrockhaus 1882

Saldanha (Joäo Carlos, Herzog von), portug. Marschall und Staatsmann, geb. 17. Nov. 1791 zu Lissabon, studierte auf der Universität zu Coimbra, wurde im Verwaltungsrat fi die Kolonien angestellt, 1810 von den Engländern festgenommen und nach England gebracht. Nach der Rückkehr ging er nach Brasilien, nahm Militärdienste und wurde vom König Johann VI. im Jan. 1825 zum Minister des Auswärtigen ernannt. Als die Infantin Isabella nach des Königs Tode 1826 die Regentschaft übernommen, wurde S. Gouverneur von Oporto, bei der Bildung des neuen Ministeriums nach Einführung der Konstitution Dom Pedros aber Kriegsminister. Als solcher unterdrückte er die Unruhen und bekämpfte die Partei der verwitweten Königin und des Infanten Dom Miguel, erhielt aber 24. Juni 1827 von der Regentin seine Entlassung. Er nahm dann an dem Kriege Dom Pedros gegen Dom Miguel teil, durchbrach die Linien der Miguelisten vor Lissabon und schloß mit Miguel 26. Mai 1834 die Kapitulation von Evora ab, wonach jener auf die portug. Krone verzichtete. Im Mai zum Marschall ernannt, wurde S. 1835 Kriegsminister und Präsident des Ministerrats, nahm aber schon im Nov. 1835 seine Entlassung. Als der Septemberaufstand ausbrach, trat er im Nov. 1836 an die Spitze einer Contrerevolution, deren Mislingen ihn lange vom polit. Schauplatz verbannte. Erst die Bewegung, welche gegen die Brüder Cabral 1846 entstand, rief ihn von Paris, wo er sich damals befand, zurück. Von der Königin Maria da Glorig im Oktober an die Spitze des Ministeriums gestellt, behauptete sich S. auch nach der Intervention der Mächte der Quadrupleallianz und wurde erst im Juni 1849 durch Costa Cabral ersetzt. Das Regiment Cabrals führte eine neue Insurrektion herbei, und S. stellte sich abermals an die Spitze. Ein Militäraufstand unter seiner Führung machte ihn 23. Mai 1851 zum unumschränkten Leiter der Regierung, welche Stellung er auch nach dem Tode der Königin unter dem jungen Pedro II. behauptete. Erst 6. Juni 1856 erfolgte sein Sturz. Im J. 1860 wurde S. Präsident des obersten Militärgerichtshofs; vom Nov. 1862 bis Dez. 1864 und vom Nov. 1866 bis Dez. 1869 fungierte er als Gesandter beim päpstl. Stuhl. Nach Lissabon zurückgekehrt, intriguierte er gegen den Ministerpräsidenten Herzog von Loulé und rief 19. Mai 1870 in Lissabon eine Militärrevolution hervor, infolge deren der König ihn zum Ministerpräsidenten ernannte. Doch vermochte S. diesen Posten nur bis zum 30. Aug. zu behaupten. Seit dem Febr. 1871 war er Gesandter in London, wo er 21. Nov. 1876 starb.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 137Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6