FeedSallet (Friedr. von)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Sallet (Friedr. von), deutscher Dichter, von einer franz. Réfugiéfamilie abstammend, geb. 20. April 1812 in Neisse in Schlesien. In Breslau erzogen, kam er 1824 in das Kadettenkorps zu Potsdam, 1826 in das zu Berlin und 1829 als Lieutenant nach Mainz. Im J. 1830 schrieb er eine satirische Novelle über den Militärstand und wurde deshalb kriegsgerichtlich zur Cassation und zu 10 Jahren Festungsarrest verurteilt; ein zweites Kriegsgericht ermäßigte diese Strafe auf zwei Jahre, die Gnade des Königs auf zwei Monate. Nachdem er die Strafe in Jülich abgesessen, wurde er nach Trier versetzt; dann besuchte er 1834 die Kriegsschule in Berlin. Gegen Ende 1838 nahm er seinen Abschied und wendete sich nach Breslau. Er starb 21. Febr. 1843 in Reichau bei Nimptsch. S. zeigte schon in früher Jugend ein bedeutendes dichterisches Talent; später gesellte sich zu der sentimental-romantischen Richtung die derb-humoristische und satirische, welche sich in mehrern Entwürfen zu Lustspielen und Novellen aussprach. Allmählich aber nährte in ihm das ernste Studium Schillers und Goethes, Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XIV. dann der Geschichte und Philosophie ein immer tieferes Streben nach Erkenntnis der Wahrheit, besonders auch im religiösen Gebiete. Offentlich trat er zuerst mit einem Bändchen (Gedichte (Berl. 1835) auf. Diesen folgten eine Sammlung Epigramme: Funkeno (Trier 1838), Die wahnsinnige Flasche, ein heroisches Eposo (Trier 1838), ein gehaltvolles Märchen: Schön Irla (Trier 1838) und neue (Gesammelte Gedichtex (Bresl. 1843). Sein Hauptwerk jedoch ist das 1839 geschriebene „Laienevangeliump (8. Aufl., Hamb. 1873), eine moderne Cvangelienharmonie, in welcher er den herkömmlichen kirchlich-theol. Anschauungen über Christentum und Sittlichkeit entgegentritt. Nahe damit verwandt ist die aus seinem Nachlaß herausgegebene Abhandlung Die Atheisten und Gottlosen unserer Zeite (Lpz. 1844; 2. Aufl., Hamb. 1852). Weniger bedeutend ist seine Erläuterung zum zweiten Teile vom Goetheschen Faust für Fraueno (Bresl. 1844). In panegyrischem Tone verfaßt ist die Schrift Leben und Wirken Friedrich von S.85 (Bresl. 1844). Seine «Sämtlichen Schrifteno erschienen in fünf Bänden (Bresl. 1845). „Sallustius (vollständig Gajus S. Crispus), einer der ausgezeichnetsten röm. Geschichtschreiber, geb. 87 v. Chr. zu Amiternum im Sabinerlande, stammte aus einer angesehenen plebejischen Familie. Im J. 52 v. Chr. benutzte er während der innern Parteikämpfe seine Stelle als Volkstribun dazu, an dem Sturze seines Privatfeindes Milo mitzuwirken. Im J. 50 v. Chr. wurde er, wahrscheinlich infolge seines freundschaftlichen Verhältnisses zu Cäsar, durch den Censor Appius Claudius Pulcher aus dem Senat gestoßen, bei dem Ausbruch des Bürgerkriegs jedoch durch Cäsar aufs neue Quästor und infolge dessen wieder Mitglied des Senats. Er folgte seinem Gönner später als Prätor nach Afrika und leistete ihm hier wesentliche Dienste, sodaß er nach Beendigung des Kriegs zum Prokonsul der neuen Provinz Numidien ernannt wurde. Während dieser Verwaltung erwarb er sich große Reichtümer, sodaß er sich außer Cäsars Villa zu Tibur einen prachtvollen Garten am Quirinal erwerben konnte, der in der Folge sogar einigen Kaisern als Aufenthalt diente. Er wurde daher wegen Erpressungen angeklagt; doch ließ ihn Cäsar nicht verurteilen. Von öffentlichen Geschäften entfernt, beschäftigte er sich in den letzten Jahren bis an seinen Tod (um 35 v. Chr.) ausschließlich mit der Ausarbeitung seiner geschichtlichen Werke. Unter diesen Werken nahm dem Umfange und der Bedeutsamkeit nach seine Röm. Geschichtes (Historiarum libri Vy) den ersten Platz ein, welche den Zeitraum von Sullas Tod bis zur Zeit der Machtentfaltung des Pompejus (78—67 v. Chr.) darstellte, von der aber nur wenige Bruchstücke vorhanden sind. Dagegen sind zwei kleinere, in früherer Zeit verfaßte Schriften von ihm erhalten, deren eine: De conjuratione Catilinae v sauch (Bellum Catilinariump genannt), die Verschwörung des Catilina, die andere: De bello Jugurthinos, den Krieg der Römer gegen den numidischen König Jugurtha zum Gegenstande hat. Beide Werke verraten ein sorgfältiges Studium sowohl der ältern röm. als auch insbesondere der griech. Geschichtschreiber und Redner, vor allen seines Vorbildes Thucydides, und geben in einer treuen und lebendigen Darstellung ein ausdrucksvolles Gemälde von den Zerwürfnissen und dem Verfall der röm. Republik. Ausgezeichnet sind seine Charakterbilder hervorstechender Persönlichkeiten. Doch ist bei der Beurteilung des S. festzuhalten, daß derselbe entschiedener Anhänger Cäsars war und daß namentlich die „Catilinarische Verschwörungo mit der Tendenz geschrieben ist, die Cäsarsche Partei gegen den Vorwurf enger Verbindung mit Catilina zu verteidigen. Seine Sprache empfiehlt sich zwar nicht durch den leichten Fluß eines Cäsar oder die Redefülle eines Cicero, aber sie zeigt große Sorgfalt in der Wahl des Ausdrucks, edle Einfachheit und kraftvolle Kürze, während ein altertümlicher Anstrich ihre Eigentümlichkeit noch erhöht. Den Charakter und schriftstellerischen Wert hat vorzüglich Löbell in der Schrift „Zur Beurteilung des S.« (Bresl. 1818) in ein klares Licht zu stellen gesucht. Wichtig sind auch die umfassenden Arbeiten von Brosses (s. d.) für das Verständnis des S. und seines Zeitalters. Unter den Ausgaben sind außer den ältern von Wasse (Cambridge 1710), Corte (Epz. 1724) und Havercamp (Amsterd. 1742) hervorzuheben die von Gerlach (3 Bde., Bas. 1823—31 u. öfter), Kritz (3 Bde., Lpz. 1828—53; kleinere Ausg. mit Anmerkungen 1856), Fabri (2 Bde., 2. Ausg., Nürnb. 1845), Dietsch (2 Bde., Lpz. 1843—46; kritische Ausg., Lpz. 1859), Jacobs (mit deutschen Anmerkungen, 8. Aufl., on Witz, Berl. 1881) und die Textausgaben von Dietsch (4. Ausg., Lpz. 1874) und Jordan (2. Aufl., Berl. 1876). Deutsche übersetzungen lieferten Schlüter (2 Bde., Münst. 1806—7 u. 1818), Woltmann (Prag 1814), Strombeck (Gött. 1817), Ernesti (2 Bde., Münch. 1829 —31), Dietsch (2 Bde., Stuttg. 1858), Mecklenburg (Berl. 1877). Sallustius (grch. Salustios), griech. Rhetor, aus Syrien, lebte um 500 n. Chr. längere Zeit in Athen, später in Alexandria und erwarb sich einen bedeutenden Ruf. Bei großer Begabung und Neigung zu der witzigen Art der alten Cyniker war er nicht sowohl Philosoph als Rhetor und Ascet. Nicht er, sondern ein anderer S., vielleicht der Zeitgenosse und Freund des Kaisers Julian, war der Verfasser einer kleinen noch erhaltenen Schrift: Von den Göttern und der Welto, die als ein gemeinverständlicher Abriß der syrischen neuplatonischen Dogmatik gelten kann. Diese Schrift wurde von Orelli (Zür. 1821) herausgegeben und ins Deutsche von Schultheß übersetzt (Zür. 1779).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 145Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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