Salzmann (Christian Gotthilf), berühmt als Stifter der Erziehungsanstalt zu Schnepfenthal (s. d.), geb. 1. Juni 1744 zu Sömmerda, wo sein Vater Pastor war, studierte seit 1761 zu Jena Theologie, wurde 1768 Pfarrer zu Rohrborn im Erfurtischen und 1772 Diakonus, dann Pastor an der Andreaskirche zu Erfurt, wo er als Prediger viel Beifall fand. Noch ehe Rousseau und Basedow auf ihn wirken konnten, wendete er der Erziehung der Jugend große Aufmerksamkeit zu, wurde später bei der Beschäftigung mit den eigenen Kindern sich seines Berufs als Pädagog bewußt und trat als solcher zuerst mit seinem Krebsbüchlein, oder Anweisung zu einer unvernünftigen Erziehung der Kindery (Erf. 1780, 1788, 1792, 1807) hervor. Im 2 1781 legte er seine Stelle nieder und ging als Religionslehrer und Liturg an das Philanthropin nach Dessau, verließ aber wegen der dort herrschenden Zwietracht diese Stellung 1784 wieder, um auf dem von ihm erkauften Landgute Schnepfenthal im Gothaischen eine Erziehungsanstalt für Knaben aus den höhern Ständen zu gründen. S.s litterarischer Ruf, seine ihm hilfreich zur Seite stehende Gattin, tüchtige Mitarbeiter, wie André, Bechstein, der Blanthe Lenz, Glatz, GutsMuths, Weißenhorn,‚ Blasche, die drei Brüder Ausfeld, sowie das frische‚ gesunde Leben in Schnepfenthal, durch vortreffliche Einrichtungen gefördert, machten diese Anstalt bald zur berühmtesten in Deutschland und führten ihr Zöglinge aus fast allen Ländern Europas zu. Da S.s Schwiegersöhne und Töchter und später auch sein dritter Sohn Karl sich an der Sorge für das körperliche und geistige Wohl der Zöglinge beteiligten, so waltete in der ganzen Anstalt das Wesen eines großen Familienkreises, über welchem S. als Vater, hochverehrt wie ein Patriarch, stand. Nachdem er noch die Katastrophe erlebt, die im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrh. über Deutschland hereinbrach, starb er 31. Okt. 1811. Als Erzieher wie als pädagogischer Schriftsteller hat S. gleich viel Gutes gewirkt. Alle seine Schriften zeichnen sich durch Klarheit der Gedanken, Faßlichkeit und Einfachheit aus. Hervorzuheben sind: der Roman „Carl von Carlsberg oder über das menschliche Elend (6 Bde., Lpz. 1783—88), 4 Der Himmel auf Erden» (Schnepfenthal 1797), der „Thüringer Bote (Schnepfenthal 1788 fg.), von seinen Erziehungs- und Jugendschriften (gesammelt, 12 Bdchn., Stuttg. 1845—46): „(Sebastian Kluger, Conrad Kiefer, oder Anweisung zu einer vernünfbüchlein oder Anweisung zu einer vernünftigen Er-Eine Anzahl seiner pädagogischen Schriften wurde von Richter (Bd. 2 der Pädagogischen Bibliotheke, Berl. 1870—75) und von Bosse und Meyer (Bd. der Pädagogischen Klassikers, Wien u. Lpz. 1886) mit Erläuterungen herausgegeben. Nach S.s Tode übernahm dessen Sohn Karl S. die Anstalt, der er mit gleichem Streben und Eifer vorstand, dabei kräftig unterstützt von seiner Gattin Thusnelda, geborene Lenz (gest. 14. Juni 1867). Im J. 1848 übergab Karl S. (gest. 21. Nov. 1870) die Anstalt seinem Neffen Wilhelm Ausfeld, welcher sie bis zu seinem Tode, 15. Febr. 1880, im Sinne des Stifters mit Kraft und Milde in Gemeinschaft mit seiner ausgezeichneten Gattin Albertine, geborene Muschner, leitete. Seitdem ist dessen Sohn Dr. Wilh. Ausfeld, herzoglich sächs. Schulrat, Direktor der Anstalt.