Samos (von den Türken Susam-Adassi oder Beylik-Sissam genannt), eine 468 qkm umfassende, von den Turken zum Vilajet Dschesairi-Bahri-Sefid gerechnete Insel nahe der Westküste Kleinasiens, durch einen 1—2 km breiten Kanal von dem Vorgebirge Mykale getrennt, wird von einem von Osten nach Westen streichenden Gebirgszug durchzogen, an welchen sich, besonders an der Südseite, mehrere ausgedehnte und fruchtbare Ebenen anschließen. Die größte und schönste darunter ist die im östlichern Teile der Südküste, in welcher im Altertum die Stadt Samos mit der Burg Astypaläa und mit dem berühmten Heräon, einem riesigen Tempel der Hera lag. Durch Schifffahrt und Handel gelangten die Bewohner (seit dem 10. Nech v. Chr. Jonier) frühzeitig zu Macht und Reichtum, den sie durch eifrige Thätigkeit auf dem Felde der Industrie und Kunst (besonders Töpferei, Malerei und Erzguß) vermehrten. Ihre höchste Blüte hatte die Insel unter der Herrschaft des Polykrates (s. d.), nach dessen Tode sie 516 in die Gewalt der Perser geriet. Durch die Schlacht bei Mykale (479 v. Chr.) befreit, schloß sie sich dem attischen Seebunde an, wurde 440 v. Chr. von den Athenern wegen Unbotmäßigkeit nach neunmonatlichem hartnäckigen Widerstand unterworfen und blieb dann bis zum Ende des Peloponnesischen Kriegs die treueste Verbündete Athens und eine Hauptstütze der athenischen Demokratie. Nach der Schlacht bei Knidos (394 v. Chr.) schloß sie sich wieder den Athenern an, geriet aber bald aufs neue unter pers., von 365 bis 322 wieder unter athenische Herrschaft. Später wurde sie von den Pergamenern beherrscht und 129 zur röm. Provinz Asia geschlagen, von Octavian aber (20 v. Chr.) mit der Freiheit beschenkt, die ihr Vespasian später wieder entzog. Nachdem sie im Mittelalter und der neuern Zeit die wechselnde Herrschaft der Byzantiner, Venetianer, Genuesen und Osmanen erfahren, beteiligte sie sich eifrig und glücklich am griech. Befreiungskampfe, wurde aber durch das Londoner Protokoll von 1830 der Pforte zurückgegeben. Durch ihren heftigen Widerstand gegen diese Anordnung erreichten die Bewohner jedoch, daß S. durch einen Ferman des Sultans vom 11. Dez. 1832 als tributäres Fürstentum (Beylik Sissam) konstituiert wurde. Der Sultan ernennt nur den Fürsten griech. Nationalität und erhebt eine jährliche Abgabe von 400000 Piaster. Seit 30. Mai 1885 ist Karatheodory (s. d.) Fürst von S. Alljährlich tritt die aus 36 Abgeordneten der einzelnen Gemeinden und dem Erzbischof bestehende Repräsentantenkammer zusammen. Die Bevölkerung beträgt (1884) 40513 E.; bis auf 22 Katholiken, 3 Armenier, 1 Juden und 2 Protestanten alle griechisch-katholisch, und bis auf 605 Fremde alle Samier. Die Ausfuhr liefert hauptsächlich Rosinen, Wein und Häute. Die Handelsmarine zählt (1883) 342 Fahrzeuge von 7813 t. Hauptstadt ist Wathy mit 7000 E., Gymnasium und gutem Hafen. Vgl. Panofka, Res Samiorumv (Berl. 1822); Guérin, Description de Pile de Patmos et de l'ile de S.o und Denkmäler von S.v (Lpz. 1878).