Samojeden ist der seinem Ursprunge nach zweifelhafte Name eines im äußersten Nordwesten von Asien und dem Nordosten von Europa weit ausgebreiteten, zum Teil noch heidnischen Volks, welches zum großen ural-altaischen Völkerstamme gehört, aber eine eigene Familie des letztern bildet. Die S. selbst nennen sich Chasawa. Ursprünglich bewohnte das Volk die ganzen weiten Strecken vom Altai bis zum Arktischen Ocean einerseits und vom Jenissei bis zum Weißen Meere andererseits, ist aber schon seit Jahrhunderten durch türk.-mongol. Stämme zersprengt worden. Als Hauptsitz des Volks ist das Land zwischen Ob und Jenissei zu betrachten. Sie wohnen jedoch gegenwärtig in ununterbrochenem Zusammenhange auf den Tundras des arktischen Küstenlandes vom Weißen Meere im Westen an bis zum Khatangha im Osten und leben, von den Einflüssen der russ. Civilisation und des Christentums noch wenig berührt, ihren alten Sitten und Gebräuchen getreu, vorzugsweise von Fischfang, teilweise auch von Renntierzucht. Durch Wogulen und Ostjaken getrennt, nomadisieren im Gouvernement Tomsk, auf einem Gebiet, welches der mittlere Ob und dessen Nebenflüsse Tym, Ket, Parabel, Tschaja, Tschulym sowie der Tscheschabka, ein Zufluß des Wasjugan, bewässern, ebenfalls samojedische Stämme, welche von den Russen gewöhnlich Ostjaken (s. d.), richtiger Ostjak-Samojeden genannt werden und bis auf die neueste Zeit herab auch als Ostjaken galten, obgleich diese im ganzen Gouvernement Tomsk nur am Wasjugan gefunden werden. Die Zahl der S. wird auf 15400 geschätzt, wovon 5400 im Gouvernement Archangel, 4000 in Tobolsk, 6000 in Jenisseisk leben. Wichtige Aufschlüsse über die ethnogr. und linguistischen Verhältnisse der S. hat Castren (s. d.) gegeben. über die Sprache der Samojeden vgl. Friedr. Müller, Grundriß der Sprachwissenschafte (2. Bd., 2. Abteil., Wien 1882).