FeedFerdinand II.
GeschichteBrockhaus 1882

Ferdinand II., der Katholische, König von Aragonien, 1479—1516, geb. 10. März 1452, Sohn Johanns II. von Aragonien, ist durch seine Regenteneigenschaften wie durch Despotismus und arglistige Politik gleich bekannt. Noch bei Lebzeiten seines Baters bereitete sich die nachmalige ereinigung der beiden Königreiche Castilien und Aragonien vor. 20 Castilien war Heinrich IV. König, der seine ochter als rechtmäßiges Kind anerkannte. Nach seinem Tode (1474) bemächtigte sich Heinrichs Schwester Isabella (f. d.), welche inzwischen mit dem aragones. Prinzen Ferdinand si vermählt hatte, des castil. Throns. Als hierauf F. durch den Tod seines Vaters 1479 König von Aragonien geworden, vereinigten sich die beiden christl. Königreiche Aragonien und Castilien in F.s und Isabellas Händen, welche wegen dieser Vereinigung, nicht aus kirchlichen Gründen, reges catholici, .0 Gesamtkönige, genannt wurden. Doch blieb Isabella, solange sie lebte, Königin von Castilien und F. hier ohne polit. Cinfluß. F.s Kunt Regierung war eine ununterbrochene Reihe glücklicher Kriege. Nachdem er siegreich gegen Alfons V. von Portugal gefochten hatte, unterwarf er sich 1491 infolge eines zehnjährigen blutigen Kampfes, bei welchem innere Zwietracht der Feinde ihn unterstützte, Granada, das aaohlte Reich, welches den Mauren in Spanien übriggeblieben war. Ral J. 1503 eroberte er durch seinen Feldherrn Gonsalvo di Cordova das Königreich Neapel, 1512 das Königreich Navarra bis an die Pyrenäen. Den höchsten Glanz gewann seine Regierung durch die von ihm beförderte Entdeckung Amerikas. (S. Colum bus.) F. und Isabella Politt en mit den Künsten einer macchiavellistischen olitik ein ganz neues Re Lmus besom Sie brachen die Macht des Feudalismus, esonders durch Einführung der Inquisitionstribunale in Castilien (1480) und in Aragonien (1484), welche keineswegs nur zu religiösen, sondern auch zu polit. Zwecken, Versotg zur Vertreibung der Juden (1492) und erfolgung der Mauren (1501) benutzt wurden. In dem Bestreben, eine unumschränkte Königsmacht zu begründen, unterstützte sie der Kardinal Ximenes (s. d.). Nach dem Tode aller seiner Kinder, mit Ausnahme der jüngsten Tochter Johanna, welche 1495 Philipp, den Regenten der Niederlande und Sohn Kaiser Naximilians I., heiratete, verlor F. 1504 auch seine Gemahlin, sodaß nunmehr die Regierung Castiliens an seine Tochter oder vielmehr an deren Gemahl wohltef überging. Aus Erbitterung hierüber vermählte sich F. mit der Gräfin Germaine de Foir, welche Ehe jedoch kinderlos blieb. Da Philipp schon 1506 starb, Johanna aber wahnsinnig ward, kam die ihrem jungen Sohne Karl gebührende Regierung Castiliens endlich doch noch an F., der als Herrscher von Castilien F. V. eißt. Er starb 23. Jan. 1516 zu Madrigalejo. Ihm folgte als der erste König des gesamten Spanien Karl IJ., welcher als deutscher Kaiser mit Karl V. (s. d.) bezeichnet wird. Vgl. Ranke, (Geschichte der roman. und german. Völker⸗ (Bd. 1, Berl. 1824); Prescott, „Geschichte der Regierung F.s und Isabellas von Spanieno (deutsch, 2 Bde., Lpz. 1842).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 683Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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