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GeschichteBrockhaus 1882

Stauffenberg (Franz Aug., Freiherr Schenk von), hervorragendes Mitglied der bayr. Abgeordnetenkammer und des Deutschen Reichstags, geb. 3. Aug. 1834 in Würzburg, studierte in Würzburg und Heidelberg die Rechtswissenschaft, wurde 1863 Staatsanwalt am Bezirksgericht in Augsburg, verließ aber im Mai 1866 den Staatsdienst und lebte seitdem in Geißlingen bei Balingen (in Württemberg) und in Rißtissen (in Oberschwaben) auf seinen väterlichen Gütern. Im Okt. 1866 wurde S. in das bayr. Abgeordnetenhaus, 1868 in das Zollparlament, 1871 und bei sämtlichen folgenden Wahlen in den Deutschen Reichstag gewählt. In der bayr. Abgeordnetenkammer einer der Führer der liberalen Partei, zeigte er sich besonders thätig in den finanziellen und Verkehrsfragen und vertrat die nationalen Interessen bei den Verhandlungen über die Zollvereinsverträge, über das Militärbudget von 1870 und über die Versailler Verträge. Am 5. Nov. 1873 wurde er 4 Präsidenten der Abgeordnetenkammer gewählt und behielt dieses Amt bis zum Ablauf der Landtagsperiode (16. April 1875). Im Nov. 1877 legte er aus Familienrücksichten sein Abgeordnetenmandat nieder, trat aber 1879 wieder in die Kammer ein, der er seitdem ununterbrochen angehörte. Im Reichstage vertrat er 1871 — 78 die Stadt München, 1878 — 81 den Wahlkreis Holzminden-Gandersheim und seit 188¹ Erlangen-Fürth. In der nationalliberalen Partei, der er sich anschloß, gehörte er vermöge seiner Geschäftsgewandtheit und Vielseitigkeit zu den hervorragendsten und einflußreichsten Mitgliedern und wurde infolge dessen 1874—79 zum ersten Vizepräsidenten des Reichstags gewählt. Im J. 1880 schied er mit Lasker, von Forckenbeck u. a. aus der nationalliberalen Fraktion aus und schloß sich den Sezessionisten, später mit diesen der deutsch-freisinnigen Partei an. Einen besonders lebhaften Anteil nahm S. an der Gesetzgebung über die Verwaltungsorganisation der Reichslande, zog sich jedoch in der neuesten Zeit, zum Teil durch Krankheit genötigt, zum Teil aus Unbehagen an der polit. Stellung, in die er sich gedrängt sah, von den parlamentarischen Arbeiten mehr und mehr zurück.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 171Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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