FeedSardanapäal
GeschichteBrockhaus 1882

Sardanapäal heißt nach der griechischen, durch den Geschichtschreiber Ktesias aus pers. Quellen überlieferten Sage der letzte König von Assyrien, aus dem Geschlecht des Ninus, und der dreißigste auf der von diesem Historiker gegebenen Königsliste. Nach dieser überlieferung war S. ein weichlicher, allen Lüsten hingegebener König, gegen den sich die Statthalter Arbaces von Medien und Belesys von Babylon empörten. In seiner Hauptstadt Ninive belagert, hielt er sich mehrere Jahre, bis eine Überschwemmung des Tigris die Festungswerke zerstört Palah Da zündete er in seiner Verzweiflung seinen alast an und verbrannte sich mit seinen Weibern, Dienern und Schätzen. Nach dem Ktesias geschah dies gegen 888 v. Chr. Spätere reden von seinem Grabmal in Anchiale bei Tarsus. Die Wahrheit ist indes, daß Ninive erst vollständig gegen 606 zerstört wurde, und daß andere Geschichtschreiber jenes Ereignis in dieses Jahr setzten. Der Name S findet sich nicht in den Keilschriften, in denen er Asur idin habal (Assur, gib einen Sohno) heißen würde; daß aber ein König dieses Namens regiert dat erhellt aus einigen Stellen Herodots. Berosus ennt noch einen andern König S. Dieser Herrscher, Sohn Assarhaddons, regierte von 667 bis gegen 625; sein Name war Asur-ban-habal, er unternahm Kriegszüge bis nach Agypten und Athiopien, nahm Theben ein, bekämpfte die Araber, besiegte Phönizien, machtedie griech.Städte von Cypern unterthan, bezwang Elam und eroberte Susa. Sein Bruder Samas-sum-ukin, von den Griechen Saosduchin (s. d.) und Sammuges genannt, war während 21 Jahren König von Babylon, wurde be-Hitet und von seinen Unterthanen verbrannt. Diese istor. Thatsache mag Anlaß zur Sardanapal-Sage egeben haben. Wir verdanken ihm zahlreiche hittor. Inschriften und namentlich die Rettung eines Teils der assyr. Litteratur, die er abschreiben und in Kopien im Archiv zu Ninive niederlegen ließ, von dem noch viele Reste erhalten sind. Die Keilschriften kennen verschiedene Monarchen, die einen annähernden Namen führen und welche die Assyriologen alle mit S. bezeichnen. Der mächtigste unter diesen war Asur-nasir-habal (S. III.), gegen 920 v. Chr., der Phönizien bekriegte und die Stadt Calach (s. Nimrod) wiederherstellte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 234Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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