FeedSargassomeer
TierreichBrockhaus 1882

Sargassomeer heißt ein zwischen den Canarischen und westind. Inseln gelegener Teil des Atlantischen Oceans, in welchem eine große Masse schwimmenden Seetangs sich vorfindet. Sargago ist der portug. Name für Tang(s.d.). Schon alte Schriftsteller erwähnen diese Krautwiesen des Oceans, so Scylax, Theophrast und Aristoteles. Die ersten bestimmtern Nachrichten darüber enthält aber das Schiffsbuch des Columbus, der 16. Sept. 1492 die Fucusbänke erreichte und einen großen Teil seiner Fahrt nach den Bahama-Inseln durch sie fortsetzte, wie es heißt zur nicht geringen Beunruhigung seiner zaghaften Leute. Die Grenzen der atlantischen Tang-Ansammlungen sind die Parallelen von 16 und 38, nördl. Br. und die Meridiane von 30 und 81˙ westl. L. von Paris, doch wird zwischen 41 und 47² westl. L. gewöhnlich sehr wenig Tang beobachtet, sodaß sich die Ansammlungen in zwei große Bänke scheiden. Einzelne zerstreute Massen trifft man auch außerhalb der genannten Grenzen, namentlich im Karaibischen Meere. Ahnliche Tang-Ansammlungen gibt es im Großen Ocean nördlich von den Sandwichinseln, sowie im Süden des Atlantischen und Indischen Oceans in einem langen Streifen, der von den Falklandinseln bis weit über die Kergueleninseln sich erstreckt. Der Tang des S. ist ausschließlich das Sargassum bacciferum 49., eine Alge, die einem kleinen, vielfach verästelten Strauche mit zolllangen, scharf gezähnten Blättern und kleinen, erbsengroßen Beeren (den Schwimmblasen) gleicht. Seine eigentliche Heimat ist nach Schleiden (EDas Meerv, Berl. 1867) wahrscheinlich die Nordküste von Südamerika, von wo der Golfstrom die durch Stürme und Wellen vom Boden abgerissenen Pflanzen mit fortträgt, um sie im großen atlantischen Wirbel abzusetzen. Durch die Schwimmblasen erhalten sie sich auf der Oberfläche, wachsen munter fort, da sie von der Wurzel unabhängig sind, und bilden so die frischen schwimmenden Wiesen PPraderias da yerva des Oviedo). In dem S. selbst ordnen sich die Pflanzenbüschel immer in ziemlich regelmäßigen Reihen nach der Richtung des Windes. Sie sind häufig so dicht gedrängt, daß sie die Segelgeschwindigkeit wesentlich vermindern. Kapitän Leps bestritt die auch früher von Rennell ausgesprochene Ansicht, daß das S. der Sammelplatz der Algen sei, welche der Golfstrom bei seinem Austritt aus dem Mexikanischen Meerbusen mit sich führt. Derselbe nahm vielmehr an, daß es die Quelle sei, von welcher die zerstreuten Tangmassen herkämen, denen man im Antillenmeere, im Mexikanischen Meerbusen und im Golfstrome begegnet. Auch Irminger glaubt, daß die im nördl. Teile des Antillenmeers vorkommenden Tangmassen aus dem S. durch Strömung und Nordostpassat dorthin gelangen; die südlicher bei Las Rocas und bis gegen den 14. nördl. Br. im Antillenmeer angetroffenen Massen aber stammen nach ihm aus südlichern Breiten und werden schließlich durch den Golfstrom dem S. zugeführt. Daß die großen Tang-Ansammlungen im ganzen immer denselben Raum einnahmen, daß insbesondere das atlantische S. noch heute dieselben Grenzen hat wie zur Zeit des Columbus, ist durch die Strömungen und Winde bedingt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 241Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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