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GeschichteBrockhaus 1882

Saul, der erste König von Israel (etwa 1094 —1072 v. Chr.), der Sohn eines wohlhabenden Gibeoniten, Namens Kis, aus dem Stamme Benjamin, ein schöner, stattlicher, waffenkundiger Mann, wurde infolge eines glänzenden Siegs über die Ammoniter vom Volke zum König begehrt und von Samuel (. d.) nach langem Widerstreben gesalbt. Die Befreiung Israels von dem demütigen Vasallenverhältnis zu den Philistern und eine Reihe erfolgreicher Kriege gegen die Amalekiter und andere Nachbarstämme befestigten seine Herrschaft. Gleichzeitig war er bemüht, der königl. Gewalt nach innen durch ein festes, straffes, aber gerechtes Regiment Achtung zu verschaffen. Seine Sitten waren einfach und patriarchalisch, die Muße, welche der Krieg ihm ließ, verbrachte er in stiller Zurückgezogenheit auf dem Stammsitz seiner Familie zu Gibea. In den ersten Jahren seiner Regierung stand er mit Samuel noch im freundlichsten Einvernehmen, bis der Widerstreit der königl. und der geistlichen Interessen das Verhältnis trübte und zum völligen Bruch führte. Insgeheim salbte Samuel an S.s Statt dessen Feldherrn und Schwiegersohn David (s. d.) zum König. Aber der Plan ward entdeckt und der Herrscher stellte David nach dem Leben. David, von der Priesterpartei begünstigt, entkam nach dem Gebirge im Südosten des Reichs. Von S. verfolgt, floh er zu dem Erbfeinde des Volks, dem König der Ahenten unter dessen Schutzherrschaft er seine Freibeuterzüge erneuerte. S. hatte inzwischen an den Priestern zu Nob, den Mitschuldigen des Verrats, blutige Rache genommen und dadurch den Bruch mit der Priesterschaft unheilbar gemacht. Dennoch behauptete er seine Herrschaft mit starker Hand, bis er in der Schlacht am Berge Gilboa von den Philistern besiegt, sich das Leben nahm. Nachdem drei seiner Söhne in dieser Schlacht gefallen waren, behauptete sein vierter Sohn Isboseth mit Hilfe seines tapfern Feldherrn Abner seine Herrschaft östlich vom Jordan noch 2½ Jahre lang, bis er ermordet wurde.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 261Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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