FeedSavonaröla (Girolämo)
ReligionBrockhaus 1882

Savonaröla (Girolämo), Urheber eines kirchlich-polit. Reformversuchs in Florenz und den Vorreformatoren beigezählt, stammte aus einer angesehenen Familie Paduas und wurde 21. Sept. 1452 zu Ferrara geboren. Er war als Enkel eines berühmten Arztes zur Arzneiwissenschaft bestimmt; doch das Vorbild des Thomas von Aquino bewog ihn, im Alter von 23 J. in Bologna Dominikaner zu werden. Das Aufsehen, das seine Talente nach anfänglichem Mißerfolge hervorriefen, veranlaßte Lorenzo de' Medici, seine Versetzung nach Florenz zu betreiben. Im J. 1489 ins Kloster von San-Marco eingetreten, wurde er 1491 dessen Prior, erlangte als solcher durch seine hinreißenden Reden und seinen strengen Wandel einen wunderbaren Einfluß auf die Gemüter. In prophetischem Tone strafte er die unter Geistlichen und Laien herrschende Sittenlosigkeit und wies auf ein nahendes Gericht Gottes hin; ja er scheute sich nicht, selbst gegen seinen Beschützer Lorenzo aufzutreten, unter welchem üppigkeit und freie Sitte über Gebühr zugenommen hatten. Nach dessen Tode und der Vertreibung seines Sohnes Pietro 1494 nahm S. den thätigsten Anteil an den Staatsangelegenheiten. Er stellte sich an die Spitze derjenigen, die eine Theokratie mit Volksregierung wollten. Demgemäß wurde die gesetzgebende Gewalt einem Bürgerrat übergeben, der aus seiner Mitte einen engern Ausschuß erwählte. Mit dieser polit. Neugestaltung sollte nun aber die innere Reformation, und zwar weniger eine dogmatische als eine sittlich-religiöse, Hand in Hand gehen, und in kurzer Zeit gelang es S., meist nur durch die Macht seines Wortes, aus dem leichtlebigen Florenz eine ernste, sittenstrenge Stadt zu machen. Allein auch das genügte seinem Feuereifer nicht; er wollte von Florenz aus ganz Italien reformieren und namentlich die Mißbräuche des röm. Hofs abstellen. In scharfer, nur zu gerechtfertigter Weise trat er dem sittenlosen Papst Alexander VI. entgegen und wurde infolge dessen exkommuniziert. Trotzdem stieg sein Einfluß in Florenz nur noch höher, namentlich als ein Versuch der Mediceer 1498, sich wieder in den Besitz der Macht zu setzen, mißlang. Aber die Vermengung der Rollen eines polit. und religiösen Reformators, sowie die strengen Sittenzuchtgesetze, die nach und nach unter seiner Leitung erlassen wurden, untergruben sein Ansehen und vergrößerten die Zahl seiner Gegner im geistlichen wie im Laienstande. Ein von einem seiner Anhänger angerufenes Gottesurteil, das nicht zu Stande kam, weil dieser nur mit der geweihten Hostie in der Hand durch die Flammen schreiten wollte, gab den letzten Anlaß zu Lerzan schon unvermeidlich gewordenen Sturz. Eine ersammlung von Geistlichen hielt unter der Leitung zweier päpstl. Abgeordneten Gericht über ihn. Anfangs setzten die Entschlossenheit und Beredsamkeit S.s seine Richter in Verlegenheit, aber durch Fälschung der Akten und durch die Folter gelang es endlich doch, das Wort Alexanders VI.: «Dieser Mensch muß sterben, wenn er auch ein Johannes der Täufer wärey, zu verwirklichen. S. wurde nebst zwei seiner Klostergenossen 23. Mai 1498 erst tranguliert und dann verbrannt; mit seinem Tode fielen auch seine Reformversuche wieder zusammen. Seine Predigten (Flor. 1496), sowie seine Auslegung des 31. und 51. Psalms, die Luther 1523 wieder herausgab, sind tiefsinnig und kräftig. Eine Sammlung seiner Werke, hauptsächlich philos. und ascetischen Inhalts, erschien zu Lyon (6 Bde., 1633 (Stuttg. 1839). Am 23. Mai 1875 wurde zu Ferrara seine vom Bildhauer Galotti aus Bologna gefertigte Marmorstatue enthüllt. Vgl. außer den biographischen Schriften von Rudelbach (Hamb. 1835), Meier (Berl. 1836), Perrens (deutsch von Schröder, Braunschw. 1858) u. a. noch: Hase, «Neue Propheten» (Lpz. 1851), J. Huber, «Savonarola (im «Histor. Taschenbuch, Lpz. 1875), Böhringer, «Kirchengeschichte in Biographieno (Bd. 24, 2. Ausg., Stuttg. 1879), und Villari, «Storia di S. (2 Bde., Flor. 1859 -61; deutsch von Berduschek, 2 Bde., Opz. 1868), sowie nach ihm gearbeitet Clark, 48., his life and timeso (Lond. 1878). Die neuere Zeit hat zahlreiche Dokumente über S. veröffentlicht, welche Ranke in dem Aufsatz über S. (4Histor-biographische Studieno, Lpz. 1877) benutzt hat. Eine poetische Darstellung der Ideen und Schicksale S.s gab Nikolaus Lenau.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 269Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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