Thomas von Aquino, einer der 1. Geihlech sten Scholastiker, stammte aus dem gräfl. Geschle von Aquino im Neapolitanischen und wurde au dem Schlosse Roccasicca 1225 geboren. Er erhielt seine erste Bildung unter den Benediktinern zu Monte-Cassino und setzte dann seine Studien in Neapel fort. Wider den Willen seiner Familie, die ihn sogar einige Zeit gefangen hielt, trat er 1241 in den Dominikanerorden und wurde von dem Ordensgeneral nach Köln geschickt, um hier den Unterricht des berühmten Scholastikers Albert d. Gr. zu genießen. Vollständig eingeweiht in die scholastische Dialektik und Aristotelische Philosophie, trat T. 1248 als Lehrer derselben in Köln und seit 1252 in Paris auf. Seine scharfsinnige Anwendung der Lehren des Aristoteles auf die wissenschaftliche Bearbeitung der Theologie verschaffte ihm bald einen ausgezeichneten Ruhm. Er rächte nicht nur die Ehre seines Ordens durch die Streitschrift Contra impugnantes Dei cultum et religionemo, sondern genoß auch seines Triumphs als akademischer Lehrer in zahlreich besuchten Vorträgen, bis ihn Urban IV. 1261 nach Italien rief, um zu Rom, Bologna und Pisa Philosophie zu lehren, worauf er von seinem Orden zum Definitor der röm. Provinz ernannt wurde. Seit 1272 hielt er sich in dem Dominikanerkloster zu Neapel auf. Hier schlug er die erzbischöfl. Würde aus, um ganz seinen Studien und Vorträgen zu leben. Auf Befehl Gregors X. wollte er zur Kirchenversammlung nach Lyon reisen, als ihn 7. März 1274 unterwegs, noch im Neapolitanischen, zu Fossanuova der Tod überraschte. Noch während seines Lebens genoß T. das größte Ansehen in der Kirche. Seine Stimme hatte entscheidendes Gewicht und seine zahlreichen Schüler nannten ihn Doctor universalis, auch Doctor ange. licus und den zweiten Augustin. Ein Generalkapitel der Dominikaner zu Paris verpflichtete nach seinem Tode die Glieder des Ordens bei Strafe zur Verteidigung seiner Lehrsätze. Vorzüglich die Erzählungen dieser Mönche von Wundern, die T. verrichtet haben sollte, bewogen Johann XXII., ihn 1323 unter die Heiligen zu versetzn. Seine Hauptwerke sind der Kommentar über des Petrus Lombardus vier Bücher Sententiarumo, die Summa de veritate catholicae fidei contra gentileso und die tatae et quodlibetaleso und die Opuscula theologicap sich anschließen. Dieselben zeichnen sich nicht nur durch einen staunenswerten Aufwand von Fleiß und dialektischer Kunst, sondern auch durch den darin unternommenen großartigen Versuch aus, das kirchliche Lehrsystem zu einer einheitlichen philos. Weltanschauung zu erheben. Besonders gab er den Lehren von dem Schatz der Kirche an überverdienstlichen guten Werken, von der Entbehrlichkeit des Abendmahlskelchs für die Laien und der zur Anbetung der Hostie führenden Transsubstantiation eine neue Begründung. Ferner behandelte er die christl. Sittenlehre in einer ihm eigentümlichen Anordnung und einem Umfang, wodurch er sich den Chrennamen des Vaters der Moral erwarb. Die Bestimmtheit, Deutlichkeit und Vollständigkeit in Behandlung der kirchlichen Theologie geben seinen Werken den Vorzug vor den Lehrbüchern früherer scholastischer Dogmatiker. Daher wurde er von Pius V. den größten Lehrern der Kirche an die Seite gesetzt. In der Reformationszeit wurde seine Autorität von den Protestanten ebenso eifrig bestritten, als von den Gegnern derselben verteidigt. Das Konzil von Trient erhob eine Reihe von Lehren in der von T. vorgetragenen Form zu kirchlichen Glaubenssätzen, und noch heute gilt er als der angesehenste Dogmatiker der kath. Kirche, wie denn sowohl Pius IX., als ganz besonders Leo XIII. in seiner sog. Thomas-Encyclica vom 4. Aug. 1879 die Philosophie und Theologie des T. als Grundlage aller gelehrten Studien der kath. C hristenheit erklärten. Aus dem Franziskanerorden, der mit Eifersucht das steigende Ansehen des T. verfolgte, trat ihm im Anfange des 14. Jahrh. Duns Scotus (. d.) als erklärter Gegner hervor und gründete die philos.-theol. Schule der Scotisten, denen seitdem die Thomisten, meist Dominikaner, als Anhänger des T. gegenüberstanden. Die Thomisten neigten sich in der Philosophie zu dem Nominalismus, folgten der strengen Lehre Augustins von der Gnade und bestritten die unbefleckte Empfängnis der Jungfrau Maria. Die Scotisten dagegen hingen dem Realismus an, neigten sich zum Semipelagianismus und behaupteten die unbefleckte Empfängnis der Jungfrau Maria. Die Werke des T. wurden zuerst von Pius V. (17 Bde., Rom 1570 fg.), neuerdings unter den Auspizien von Leo XIII. (Rom, seit 1883) herausgegeben. Einen Kommentar seiner Schriften enthält Thömes, Divi Tuomae Aquinatis opera et praeceptay (Berl. 1875). Vgl. Hoertel, T. und seine Zeito (Augsb. 1846); Werner, Der heilige T.5(3Bde., Regensb. 1858 fg.); Gibelli, «Vita di S. Tomasob (Bologna 1862); Baumann, Die Staatslehre des T.o (Lpz. 1873); Holtzmann, «T. von Aquino und die Scholastiko (Karlsr.1874); Cicognani, «Sulla vita e sulle opere di S. Tommasop (Vened. 1874); Otten, «Erkenntnislehre des T. (Paderb. 1882); Lecoultre, La Dsychologie d'Aristote et de T.v (Par. 1883); Cucken, Die Philosophie des T. und die Kultur der Neuzeite (Halle 1886). Thomas von Canterbury, Heiliger der kath. Kirche, s. Becket (Thomas a).