Schaumburg, eigentlich Schauenburg, eine ehemalige Grafschaft im Westfälischen Kreise, an der Weser, begrenzt vom Fürstentum Kalenberg, den Grafschaften Lippe und Ravensberg und dem Fürstentum Minden, hatte ihren Namen von dem Schlosse Schauenburg, zwischen Rinteln und Oldendorf, das der Ahnherr der alten m ihm von Schauenburg, Adolf I., 1033 in dem ihm vom Kaiser Konrad II. überlassenen Landstriche auf einer Vorhöhe des aussichtsreichen Paschenbergs erbaute. Sein Enkel Adolf III. wurde 1106 von Kaiser Lothar II. mit Stormarn und Holstein, Dithmarschen ausgenommen, als Grafschaft Holstein belehnt, und seine Nachkommen erwarben die Grafschaft Sternberg und die Herrschaft Gehmen. Den Grafen Ernst III. erhob Kaiser Ferdinand II. 1619 in den Reichsfürstenstand. Ihm folgte sein Bruder Jobst Hermann und dessen Vetter Otto, mit welchem letztern das fürstl. Haus 1640 erlosch. Seine Mutter Elisabeth, die Gemahlin des Grafen Georg Hermann von Schaumburg-Gehmen, eine Tochter des Grafen Simon von der Lippe, fetzte sich sofort in den Besitz der schaumburg. Länder und ernannte hierauf ihren Bruder, den Grafen Iohilipv von der Lippe, zu watte Erben und Nachfolger. Gleichzeitig aber hatte sich der Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg, zufolge eines äautudr von 1565, als Lehnsherr eines Teils der schaumburg. Besitzungen bemächtigt (das spätere hannov. Amt Lauenau und ein Teil von Hameln), in welchem er auch 1647 durch Vertrag belassen wurde. Andere Stücke der Grafschaft wurden von dem Landgrafen von Hessen-Kassel als Lehnsherrn in Anspruch genommen. Der Streit glich sich aber dadurch aus, daß der Graf Philipp von der Lippe mit einer hess. Prinzessin sich vermählte und nun mit dem von Hessen beanspruchten Teile belehnt wurde. Als hierauf auch das Fürstentum Minden mehrere Teile sich zueignen wollte, bestand der Landgraf von Hessen auf einem neuen Vergleiche, der im Westfälischen Frieden so festgestellt ward, daß der Graf Philipp die Amter Stadthagen, Bückeburg, Arensburg und Hagenburg nebst einem Teile von Sachsenhagen, der Landgraf von Hessen-Kassel aber die Amter Schaumburg, Rodenberg und den andern Teil von Sachsenhagen erhielt. Beide bekamen dadurch Sitz und Stimme auf der westfäl. Reichsgrafenbank. Der lippesche Anteil von S. bildet das Fürstentum Schaumburg-Lippe (s. d.). Der bis 1866 kurhess. und zur Provinz Niederhessen gerechnete, seitdem aber preuß. Anteil, Grafschaft Schaumburg genannt, von welcher 1831 der Gemahlin des Kurfursten Friedrich Wilhelm, sowie den Kindern aus dieser morganatischen Ehe der gräfl. Titel verliehen wurde, bildet jetzt den Kreis Rinteln (s. d.) des Regierungsbezirks Kassel. Auch die jetzige Standesherrschaft Schaumburg im Herzogtum Nassau, dem jetzigen preuß. Regierungsbezirk Wiesbaden, war einst reichsunmittelbar, hatte aber nirgends eine Stimme. Sie gehörte früher dem Hause Limburg, kam 1279 an das Haus Holapoel und wurde 1656 von der Gräfin von Holzappel erkauft und auf deren Tochter Elisabeth Charlotte, Gemahlin des Fürsten Adolf von Nassau-Dillenburg, vererbt. Diese Linie Nassau-Schaumburg erlosch aber schon mit dem Stifter 1707, und es gingen nun die Grafschaften S. und Holzappel an die Erbtochter Charlotte über, welche mit dem Fürsten Lebrecht von Anhalt-Bernburg vermählt war. So entstand die anhalt. Nebenlinie Anhalt-Bernburg-Hoym-Schaumburg, die 24. Dez. 1812 mit dem Fürsten Friedrich Ludwig Adolf im Mannsstamm erlosch. Hoym und andere anhalt. Güter fielen nun wieder an Anhalt-Bernburg. Die Grafschaften S. und Holzappel wurden durch die Erbtochter Prinzessin Hermine von Anhalt ihrem Gemahl, dem Erzherzog Joseph von sterreich, Palatin von Ungarn, zugebracht und auf deren Sohn, den Erzherzog Stephan (gest. 19. Febr. 1867), vererbt, der danach den Titel Fürst von S. führte. Nach dessen Tode fielen die Grafschaften an den Herzog Georg von Oldenburg, dessen Großmutter, Prinzessin Ida von Anhalt, die jüngere Schwester der Prinzessin Hermine gewesen war. Die Grafschaft umfaßt etwa 70 akm mit etwa 4000 E. Hauptort ist Holzappel (s. d.). Das Schloß Schaumburgbei dem Dorfe Balduinstein an der Lahn und der Nassauer Eisenbahn, 6 km südwestlich von Diez auf einem bewaldeten Basaltkegel gelegen, wurde 1850 vom Erzherzog Stephan großartig neu aufgebaut und zum Glanzpunkte des Lahnthals umgewandelt. Über dem Dorfe (Eisenbahnstation) Laurenburg liegt die alte nassauische Stammburg Laurenburg, die jahrhundertelang dem Hause den Namen gab, ehe es den von Nassau annahm. Zwischen Laurenburg und Balduinstein liegt das standesherrliche Dorf Geilnau (s. d.).