Schertlin (Sebastian), auch Schärtlein, Herr zu Burtenbach, berühmter deutscher Feldhauptmann des 16. Jahrh., wurde 12. Febr. 1496 zu Schorndorf (in Württemberg) geboren und bezog 1512 die Universität Tübingen, wo er 1516 die Magisterwürde erlangte. Auch besuchte er die Universität zu Wien. Im J. 1518 machte er den Feldzug gegen Franz von Sickingen mit und widmete sich seitdem ganz dem Kriegshandwerk. Er diente unter anderm im Heere des Schwäbischen Bundes gegen den Herzog Ulrich von Württemberg (1519) und gegen die aufrührerischen Bauern (1525), desgleichen im kaiserl. Heere wiederholt gegen die Türken in Ungarn, wie auch gegen die Franzosen an der deutschen Grenze und in Italien. Nach der Schlacht bei Pavia 24. Febr. 1525 wurde er von dem Vizekönig von Neapel zum Ritter geschlagen. Nach dem Siege über die Türken beim Wiener Wald 19. Sept. 1532, wo er als „Obrister Leutinanto das ganze Reichsfußvolk befehligte, erwies ihm Kaiser Karl V. dieselbe Ehre. Seit 3. Juli 1530 war S. als Feldhauptmann in den Dienst der Reichsstadt Augsburg getreten. Im J. 1532 kaufte er die im Westen von Augsburg an dem Mindelfluß belegene Herrschaft Burtenbach mit dem Marktflecken gleichen Namens. Auch trat er nunmehr zur prot. Lehre über. Als augsburgischer Feldhauptmann nahm er unter den Kriegshäuptern des Schmalkaldischen Bundes eine hervorragende Stellung ein. Im J. 1542 wohnte er dem Feldzuge des Landgrafen gegen Herzog Heinrich den Jüngern von Braunschweig-Wolfenbüttel bei und beteiligte sich mit Erlaubnis seiner Dienstherren auch an den Feldzügen des Kaisers gegen Frankreich 1536 und 1544. Im Schmalkaldischen Kriege befehligte S. die Soldtruppen der oberdeutschen Städte. Er nahm die Stadt Füssen und die Ehrenberger Klause 10. Juli 1546, mußte aber odann zu dem Hauptheer des Schmallaldischen „Bundes stoßen, das August bis September längs der Donau gegen Kaiser Karl V. operierte. Im „Okt. 1546 ging S. nach Augsburg zurück, und bald darauf löste das schmalkaldische Heer sich auf. Gleich den übrigen Ständen Oberdeutschlands o»ä(smußte nunmehr auch Augsburg sich dem Kaiser wieder unterwerfen; aber S. wurde von der Amnestie ausgeschlossen. Deshalb verließ er 29. Jan. 1547 Augsburg, nachdem er sein Gut Burtenbach durch einen Scheinkauf der Stadt überlassen hatte. „Er flüchtete nach Konstanz und ging später nach „Basel, von wo aus er um Begnadigung beim Kaiser vergebens nachsuchte. So trat S. 1. April 1548 in die Dienste des Königs Heinrich II. von Frankreich, worauf Karl V. ihn förmlich in die Reichsacht erklärte 3. Aug. 1548 und seine Güter einzog. Trotzdem blieb S. in Basel wohnen, bis er auf Verlangen der Eidgenossen ausgewiesen wurde, und begab sich dann im Frühjahr 1551 an „den franz. Hof. Hier diente er als Unterhändler zwischen König Heinrich II. und Kurfürst Moritz von Sachsen und vermittelte den Bundesvertrag zwischen beiden, der auf dem Schloß Chambord 2. Febr. 1552 vollzogen und beschworen ward. Auch machte er den Feldzug Heinrichs II. in Lothringen und Elsaß 1552 mit. Im Jan. 1553 zog S. wieder nach Basel, verließ den franz. Dienst und erlangte vom Kaiser einen aus Brüssel 18. Juni 1553 datierten Begnadigungsbrief. So konnte er nach Augsburg zurückkehren, wo er bald wieder auf Lebenszeit als Feldhauptmann in den Dienst der Stadt trat. Seitdem lebte S. in friedlicher Zurückgezogenheit. Er starb zu Burtenbach 18. Nov. 1577 und wurde in der dortigen Kirche begraben. Seine Rüstung befindet sich in der Ambraser Sammlung, sein Bildnis stach Peter Aubry (Straßburg) in Kupfer. Vgl. Holzschuher und Hummel, „Lebensbeschreibung des berühmten Ritters Sebastian S. von Burtenbacho (2 Tle., Frankf. u. Nürnb. 1777—82); Herberger, «Sebastian S. von Burtenbach und seine an die Stadt Augsburg geschriebenen Briefey (Augsb. 1852); Schönhuth, (Leben und Thaten des Sebastian S. von Burtenbach, durch ihn selbst deutsch beschrieben. Nach der eigenen Handschrift des Ritterso (Münst. 1858).