FeedScheufelein
Bildende KunstBrockhaus 1882

Scheufelein, auch Schäuffelein, Scheuffelin(Hans Leonhard), einer der fruchtbarsten Maler und Zeichner aus Dürers Schule. Als Sohn eines Kaufmanns, der sich 1476 von Nördlingen nach Nürnberg gewandt hatte, wurde er in letzterer Stadt gegen 1490 geboren und früh in der Werkstätte seines Meisters ausgebildet, dessen Weise er sich so aneignete, daß lange Zeit eine Anzahl Holzschnitte, welche S. gezeichnet, für Arbeiten Dürers angesehen wurden. Im J. 1515 siedelte S. nach Nördlingen über, wo er sich verheiratete und das Bürgerrecht erhielt. Er entwickelte eine ungemeine Thätigkeit. Eine seiner vorzüglichsten Arbeiten ist der Altar in der Kirche der ehemaligen Abtei Ahausen bei ttingen, auf welchem er sich selbst als Porträtfigur angebracht hat. Im Rathause seines Wohnortes befindet sich als Wandgemälde die Belagerung von Bethulia. In diesen wie in andern Werken erweist sich S. als tüchtiger Meister, kräftig und innig in der Auffassung, gewandt in der Darstellung, voll sprudelnder Phantasie. Wo ihn jedoch die Not zum Schaffen trieb, sinkt er auch zum Handwerksmäßigen hinab. Bedeutend ist seine Beteiligung am deutschen Holzschnitt, für den er auch selbst das Messer geführt zu haben scheint. Seine früheste Arbeit auf diesem Gebiete sind 35 Abbildungen zu einem lat. Heilsspiegel, welcher 1507 zu Nürnberg erschien. Wertvoll sind besonders einige sehr umfangreiche biblische Darstellungen, eine Reihe von Tänzerpaaren u. a. Zu Kaiser Maximilians „Theuerdanko lieferte S. 118 Illustrationen. Er starb zu Nördlingen im März 1540. Aiuchese oder Scheuer heißt ein landwirtschaftliches Gebäude, in welchem Getreide, Stroh, Hülsenfrüchte und Rauhfutter aufbewahrt, beziehungsweise gedroschen werden. Die S. besteht aus der Tenne (zum Dreschen) und dem Bansenraum (zur Aufbewahrung der Früchte und des Strohs). Neuerdings benutzt man auch in Deutschland die in England und Holland gebräuchlichen Feldscheunen, welche im Freien aufgebaut sind, aus hölzernen Säulen mit Stroh⸗, Schilf-⸗ oder Pappdach bestehen und zuweilen beweglich sind.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 329Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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