Scheffer (Ary), berühmter franz. Maler, geb. 10. Febr. 1795 zu Dordrecht, empfing seinen ersten Unterricht in Amsterdam und begab sich dann nach Paris, wo er 1812 bei P. Guerin als Lehrling eintrat, jedoch von dem Einflusse des Meisters, der die akademische Manier der Davidschen Schule in ihrer äußersten Spitze vertrat, ziemlich unberührt blieb. Statt der großen Bravourstücke der antiken Heldendarstellungen und der Staatsaktionen wählte er einfache Staffeleibilder gemütvollen Inhalts. Die Soldatenwitwe, die Matrosenkinder, der Brand auf dem Pachthofe, der zurückkehrende Rekrut, eine vasionsscene u. s. w. fallen in diese früheste Zeit (1816—26). Das Bild: die suliotischen Frauen, in der Ausstellung 1827, gehörte ebenfalls dem Interesse und der Stimmung der Tagesgeschichte an und war hauptsächlich wirksam durch die Kraft des Ausdrucks und das Dramatische des Moments. Später wandte sich S. der Historienmalerei zu. Auch auf diesem Gebiete brach er mit der alten akademischen Tradition. Er nahm seine Stoffe aus Bürger, Schiller, Goethe. Leonore, Eberhardt der Greiner (Galerie Luxembourg), der König von Thule, Faust in seinem Studierzimmer, Gretchen am Spinnrade, Gretchen in der Kirche u. s. w. sind bekannte Bilder aus dieser Epoche (1827—35). Mit Unrecht verließ S. auf der Höhe seines Rufs die pastose, anmutige Manier, die seine Originalität ausmachte; doch blieb ihm der Beifall treu, weil man vor allem die seelischen Eigenschaften an seinen Werken schätzte (1834). Der tröstende Christus und der vergeltende Christus, Mignons Heimweh und Mignons Sehnsucht, der heil. Augustinus und seine Mutter, die heil. Monika, Dante und Beatrice tragen ein schwermütig ascetisches Wesen an sich, das oft ins formlos Schmachtende ausartet. Christus im Garten, der kreuztragende Heiland, die vom Grabe des Erlösers zurückkommenden heiligen Frauen, eine Mater dolorosa, ein Ecce homo, die Versuchung Christi, Ruth und Naemi, Jakob und Rebekka gehören ferner noch in diese dritte Phase seines Schaffens, in welcher seine Gebilde bei allem Adel der Empfindung mehr und mehr verblaßten und verweichlichten. Er starb zu Paris 5. Juni 1858. Vgl. Mrs. Grote, & memoir of the life of Ary S.v (2. Aufl. 1860).